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Aus den Gemeinden

Gehört werden – betroffen enttäuscht fassungslos

Gummersbach (cf). Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche in Oberberg Mitte. Dem heute 71-jährigen Pfarrer B. Ue. wird Missbrauch in 118 Fällen vorgeworfen. Er lebte von 1987 bis 2002 in Lantenbach und war in verschiedenen Funktionen tätig.  Viele Menschen in Oberberg, aber besonders Katholiken, sind zutiefst erschüttert. Unter dem Titel „Gehört werden – betroffen enttäuscht fassungslos“ hatte Pfarrer Christoph Bersch alle Betroffenen zu einem Gesprächsabend in die St. Franziskuskirche eingeladen. Viele Menschen, von jung bis alt, waren dieser Einladung gefolgt.

Pfr. Bersch begrüßte die Anwesenden und machte deutlich, dass es ihm wichtig sei, allen zu versichern, dass er ebenfalls zutiefst von dem Tun dieses Priesters erschüttert sei. Die Moderation des Abends übernahm Christa Pesch, die ehrenamtlich in der Missbrauchsaufarbeitung des Erzbistums tätig ist.

Pesch sagte, dass alle enttäuschten Betroffenen gehört werden müssten, weil wir Menschen seien aber auch weil wir Gläubige seien. Es gehe hier einerseits um das Verbrechen eines Menschen aber auch die Kirche habe hier ihre dunkle Seite gezeigt, indem sie Täter geschützt und Opfer nicht genügend beachtet habe. „Es geht bei B. Ue. um einen Priester, der in den Gemeinden gute Arbeit geleistet hat. Da kommt die Frage auf, ob ich meinen Glauben noch weiterleben kann,“ stellte Pesch in den Raum. Wichtig sei, dass alle zu Wort kämen. Missbrauch sei ein Menschenrechtsverbrechen und somit im letzten auch Missbrauch Gottes.

Einer der Anwesenden sagte: „Ich bin absolut zerbrochen an meinem Glauben durch dieses Geschehen. Ich finde es gut, dass dieser Abend heute stattfindet und Menschen die Möglichkeit haben, sich zu äußern. Er fragte Bersch direkt, ob er bereits 2010 gewusst habe, was mit B. Ue. sei.“

Bersch antwortete, dass ihn 2010 Ue in Wuppertal zu einem Gespräch eingeladen und ihm dabei versichert habe, dass er schuldlos sei. „Ich habe ihm geglaubt. Aus heutiger Sicht bin ich beschämt darüber, dass die Sache damals so gelaufen ist. Ich selbst bin in meinem Grundvertrauen zutiefst verletzt. Gemeinsam, ich schließe mich da voll mit ein, müssen wir wachsam sein für Auffälligkeiten. Ich möchte um Verzeihung bitten, wenn ich mich falsch verhalten habe.“

Ein anwesendes Mitglied der KjG (Katholische junge Gemeinde), die zu Zeiten von B. Ue. im Oberbergischen mit ihm sehr aktiv war, erzählte, dass sie nicht mehr in dieser Kirche sein könne, in der ein Priester wie B. Ue. Dienst getan habe. Das Fundament sei weg gebrochen. Wichtig sei es, Gruppen für Gespräche zu finden.

Mehrere Anwesende lassen ihrer Enttäuschung freien Lauf und fühlen sich getäuscht von der perfiden Art des B. Ue. „Nicht nur die Jungen seien tief verletzt worden, sondern auch wir Älteren, deren Vertrauen in Kirche zerbrochen sei.“ Alle waren der Meinung, dass die Betroffenen in Gesprächsgruppen aufgefangen werden müssten. Eine Anwesende brachte zum Ausdruck, volles Verständnis für jede/n zu haben, die/der die Kirche verlasse, aber das könne eigentlich nicht die Lösung sein. Strukturen müssten aufgebrochen werden und dazu sei Mitarbeit notwendig.

Spontan finden sich zum Abschluss der Veranstaltung mehrere Personen bereit, in verschiedenen Gruppen mit zu arbeiten. Die einzelnen geplanten Gruppen sind im Anschluss an diesen Artikel aufgeführt. Interessenten können sich hierzu bei Pastoralreferent Simon Miebach (Tel. 0 22 61/51 221) melden.

Bersch sagte in seinem Schlusswort, dass alle Betroffenen die Möglichkeit haben sollten, Ansprechpartner zu finden. Auf der Homepage von Oberberg-Mitte.de sind Anschriften von Beratungsstellen zu finden.

Christel Franke, 25.02.2022

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