von Diakon Willibert Pauels

 

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

 

Das heutige Evangelium ist eigenartig. Klingt es doch wie ein Gedicht und eine philosophische Abhandlung zugleich.

„Das Wort“ ist ein eindeutiges Bekenntnis des Evangelisten zur Vernunft, zum Verstand, zur Philosophie, zur Ratio.

 

Dazu muss man wissen, dass, bis heute, einer der Hauptvorwürfe gegen die Religion ihre angebliche Unwissenschaftlichkeit sei. „Entweder bist Du gläubig, oder wissenschaftlich-rational. Beides zusammen geht nicht.“ Und in der Tat lehnen fundamentalistische Christen wissenschaftliche Erkenntnisse, wie z.B. die Evolution, ab.

 

Das war zur Zeit Jesu nicht anders. Aufgeklärte Lehrer der griechischen Philosophie sahen in den Religionen Gegner der Ratio. Deshalb gibt Johannes der Ratio sogar göttlichen Status. Nur, dass im Gegensatz zum Atheisten für den Gläubigen die Welt allein durch die Ratio nicht umfassend erfasst werden kann. Dies blitzt in dem Satz: „Und die Ratio ist Fleisch geworden“ auf.

 

Für einen erwachsenen Glauben darf es niemals eine Ablehnung der wissenschaftlichen, rationalen Erkenntnis geben.

Im Gegenteil: So wie ein Vogel beide Flügel braucht, um sich in die Lüfte zu erheben, braucht gesunde Religiosität beides:

Ratio und Glauben!

Und in welchem Verhältnis stehen die Beiden zueinander?

 

Niemand hat dies so schön beschrieben wie der Poet Rainer Kunze. Wobei er den Begriff „Glauben“ durch die Bezeichnung „Liebe“ ersetzt. (Und wir Christen wissen ja, dass es dasselbe ist)

 

Die Liebe.

Die Liebe ist eine Rose,

Die Liebe ist eine Rose in uns.

 

Der Verstand

Der Verstand ist ein Messer

Der Verstand ist ein Messer in uns

 

  • Zu schneiden
  • der Rose
  • durch hundert Zweige
  • einen Himmel

 

Dem schließt sich an:

 

Ihr Diakon Willibert Pauels

 

 

Weitersagen: