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Der Impuls

von Diakon Patrick Oetterer

„Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“ (1 Joh 4,16)

Der heutige 7. Sonntag der Osterzeit erinnert uns daran: Die Freude ist wie die Liebe: Sie will über die Zeit hinaus dauern und „bleiben“. Das sagen uns die heutigen Lesungen aus dem Johannesevangelium und den Johannesbriefen. Unser Herz stimmt zu, und unser Glaube bestätigt es auch dann, wenn unsere Erfahrung Widerspruch anmeldet: Gott nimmt uns an, wie wir sind. Das Zulassen und Aufnehmen seiner Liebe verwandelt uns und lässt uns handeln und leben wie Christus. Er liebt uns mit göttlichem Ernst und mit göttlicher Freude, auch mit Geduld und Erbarmen, die so weit reichen, dass der Sohn Gottes sogar sein eigenes Leben für uns hingab.

Diese Texte rufen in mir die Erinnerung an die Mönche von Tibhirine in Algerien und ihren Prior Christian de Chergé (1937-1996) wach. Einem Millionenpublikum sind die Trappisten näher bekannt geworden durch den Kinoerfolg „Von Menschen und Göttern“. Der Film beschreibt ihr Leben in einem muslimischen Umfeld. Tiefe Begegnungen mit Muslimen haben die Gemeinschaft und den Prior ungemein beeindruckt und geprägt. Besonders die Begegnung mit einem Muslim, der sein Leben für ihn geopfert hat, hat Christian de Chergé stark positiv auch im eigenen Glauben beeinflusst. Die Gemeinschaft wurde 1996 von Islamisten umgebracht. Was aber in ungemein starker Erinnerung bleibt, ist das Zeugnis der freiwilligen Lebenshingabe der Mönche, die gewarnt waren und hätten fliehen können, die aber aus Liebe zu ihren muslimischen Freunden in der Umgebung des Klosters und als Zeugnis für ihren Glaubens geblieben und gestorben sind. Was den Prior vielleicht zu diesem „Bleiben“ motiviert hat, lässt ein Ausschnitt aus seinem Tagebuch erahnen. Dort schreibt er:

„Als ich das Mannesalter erreicht hatte und wie meine ganze Generation mit der harten Realität des Konflikts (Anmerkung: gemeint ist der algerisch-französische Krieg) dieser Zeit konfrontiert war, wurde mir das Geschenk zuteil, einem reifen Menschen zu begegnen, der meinen Glauben befreit hat: Durch ihn habe ich gelernt, dass der Glaube in einem Klima der Einfachheit, der Offenheit und des Gottvertrauens Ausdruck finden muss und dabei in großer Selbstverständlichkeit alles umfasst: Beziehungen, Ereignisse, die kleinsten Dinge des Alltags. Unser Dialog war ein Dialog der Freundschaft, still und vertrauensvoll, mit Gott als Horizont über allem Gewirr … Er wusste, dass ich Seminarist war, und ich sah, wie er mit frohem Herzen seine Gebete verrichtete und fastete. Dieser Mensch ohne besondere Bildung war nicht groß im Reden. Und er war außerstande, seine Brüder oder Freunde für andere zu verraten; er hat sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, obwohl er für zehn Kinder zu sorgen hatte. Er hat diese Hingabe konkret werden lassen, indem er in einem Handgemenge mit seinen Brüdern einen Freund (Anmerkung: gemeint ist der Prior selbst), der gefährdeter war als er selbst, zu schützen versuchte. Durch das Blut dieses Freundes habe ich erkannt, dass sich mein Ruf in die Nachfolge Christi früher oder später in demselben Land (Algerien) zu verwirklichen habe, wo mir der größte Liebesbeweis geschenkt worden ist …“

Nicht viele Menschen können wie Christian de Chergé sagen, dass sie ihr Leben der Lebenshingabe eines anderen verdanken, wie er dem eines tieffrommen Muslim. Aber gewiss hat jeder Mensch einen „Vorschuss an Liebe“ erhalten: Liebe, die einem „einfach so“ zuteil wird, ohne dass man sie mühsam erwerben oder sich verdienen müsste. Solche Liebe kennt viele Formen. Sie ist es, die zwei Menschen bewegt, miteinander zu leben. Sie nimmt Gestalt an im freudigen Ja über die Geburt eines Kindes. Sie ist es, die großartige Freundschaften zuwege bringt. Sie kann sich auch in einem Leben des Gebets oder einer besonderen Berufung äußern … Die Erfahrung, geliebt zu sein, setzt etwas in Bewegung. Sie konkretisiert sich für jeden anders. Dem Heiligen Geist mangelt es ganz bestimmt nicht an Fantasie, wenn es darum geht, uns die Liebe des Vaters im Himmel nahezubringen! Durch die Liebe, die ein jeder empfängt, kann er Gottes Liebe kennenlernen, die sich in seinem Leben auf je eigene Weise zeigt. Zu dieser Quelle geschenkten Liebe sollten wir immer wieder zurückkehren. Lassen wir uns davon staunend berühren, und suchen wir unsererseits nach Wegen: das ist die stete Aufgabe eines Lebens aus der Tiefe, besonders eines christlichen Lebens in der Nachfolge Christi. Wer sich geliebt weiß, wer Liebe erfährt und dafür danken kann, der vermag sich seinerseits zu verschenken bis zum Ende, bis zum Äußersten. Diese Erkenntnis und diese Provokation schenken uns die biblischen Zeugnisse dieses 7. Sonntags der Osterzeit.

Viel Mut und Freude für Ihren Weg und herzliche Grüße auch vom Seelsorgeteam,

Diakon Patrick Oetterer

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