von Diakon Norbert Huthmacher

Was zählt wirklich?

Liebe Schwestern und Brüder,

ein in den letzten Jahren immer wieder aufbrechendes Thema in den Medien ist das Gefühl, dass sich das Leben beschleunigt. Alles wird schneller: die Kommunikation über Mails, dann SMS, später WhattsApp, die Abfolge der Informationen, die auf einen einprasseln, die Hetze, um an allen Terminen teilnehmen zu können. Alles scheint schneller abzulaufen als früher; nicht nur für die Berufstätigen.

Die Texte des 32. Sonntags nehmen die Gedanken, die uns an Allerheiligen und Allerseelen begleitet haben, wieder auf: Paulus schreibt da an die Gemeinde in Thessaloniki, dass, „wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist“, auch unsere Verstorbenen nicht verloren sind, sondern wirklich leben in der Gemeinschaft mit Christus. Der Text aus dem Evangelium ermahnt uns selbst zur Wachsamkeit und stellt uns dabei die klugen Jungfrauen als Vorbilder hin.

Aber: das ist genau das Problem unserer Zeit! Wenn wir uns in unseren immer mehr beschleunigten Alltag verlieren, dann verlieren wir tatsächlich uns selbst. Wir verlieren aus dem Blick, was uns denn wirklich wichtig ist. Wir verlieren den Kontakt mit unseren eigentlichen Bedürfnissen und unseren eigentlichen Träumen; wir verlieren den Kontakt zu unseren Familienmitgliedern und den anderen Menschen, die uns wichtig sind. Und wir verlieren den Kontakt zu Gott, von dem doch Paulus auf dem Areopag gesagt hat: „in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Agp 17, 28). Wenn wir den Kontakt zu Gott verlieren, dann sind wir wie törichten Jungfrauen, die – um es mehr in der heutigen Sprache auszudrücken – die falschen Prioritäten gesetzt haben.

Wenn wir den Kontakt mit Gott verlieren, dann verlieren wir erst recht auch den Kontakt mit unserem Inneren, dann verlieren wir alles. Denn im Kontakt mit Gott kommen wir in Kontakt zu dem Einen, von dem alles ausgeht, der alles im Dasein erhält und auf den alles zuläuft; bei ihm erst kommen wir auch zur Ruhe. Wenn wir uns angeregt durch die Texte oder durch Allerheiligen und Allerseelen unserer eigene Endlichkeit und Sterblichkeit gewahr werden, kann uns das den Blick auf unser Leben als Ganzes öffnen: wie will ich denn eigentlich leben? Gehetzt durch Terminfülle und überladen durch Informationsflut? Oder will ich mir nicht meine eigene Gotteskindschaft in Bewusstsein rufen? Mein Leben an der Hand Christi leben? An dieser Hand geführt leben wir das wirkliche Leben, und wir leben es in Fülle.

 

Viele Grüße auch im Namen des Seelsorgeteams,
Ihr
Norbert Huthmacher, Diakon

 

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