„Unfriede herrscht auf der Erde, Kriege und Streit bei den Völkern, und Unterdrückung und Fesseln zwingen so viele zum Schweigen.“

Liebe Freunde!

„Unfriede herrscht auf der Erde, Kriege und Streit bei den Völkern, und Unterdrückung und Fesseln zwingen so viele zum Schweigen.“

Dieses Lied habe ich schon immer gemocht. Es stammt aus Polen, aus der Zeit der kommunistischen Herrschaft. Positiv optimistisch klingt sie nicht gerade, diese erste Liedstrophe. Keine rosarote Brille im Blick auf eine Welt, in der so Vieles im Argen liegt. Früher wie heute.

Eine solche Zustandsbeschreibung unserer Welt fordert uns heraus. Besonders im Blick auf Gott. Denn wenn alles gut läuft, der Unfriede weit weg ist, Wohlstand und Glück den Alltag prägen: wofür brauche ich dann Gott? Dann kann ich auch leben, als ob es ihn nicht gibt. Schließlich ist doch jeder selbst seines Glückes Schmied. Oder nicht?

Es sind zwei Versuchungen, denen wir leicht erliegen: das Vergessen Gottes, weil es mir doch auch ohne ihn gut geht. Oder die Anklage Gottes, weil es mir nicht gut geht.

Beide Haltungen finden wir im Volk Israel. Immer wieder. Seit Jahrhunderten, ja seit Jahrtausenden. Und irgendwie sind wir immer noch nicht klüger geworden. Oder wie es Jesus einmal sagte: „Begreift Ihr immer noch nicht?“

Das Lied beschreibt grundlegende Erfahrungen unzähliger Menschen: Unfriede. Streit. Unterdrückung. Erzwungenes Schweigen.

Das alles tut weh. Betrübt unser Herz. Nimmt uns die Luft zum Atmen. Die Freiheit. Das unbeschwerte Glück.
Die aktuelle Diskussion um Rassen und Rassismus zeigt: Ungleichheit, Unfreiheit Ungerechtigkeit prägen bis heute den Alltag vieler Menschen. Wo sich die einen für was Besseres halten als die anderen, geht Friede, geht Harmonie, geht Wertschätzung verloren. Oder mit George Orwell gesprochen. Wo nur theoretisch alle gleich sind, faktisch aber einige gleicher sind als gleich, wird das von der ersten Liedstrophe ausgedrückte Zustandsbild Realität.

„Frieden soll mit Euch sein. Frieden für alle Zeit. Nicht so, wie ihn die Welt euch gibt: Gott selber wird es sein.“

Der Refrain des Liedes ist voller Verheißung. Voller Zuversicht. Voller Hoffnung. Weil es mehr gibt als nur „die Welt“! Was aber meint „Welt“ hier?

Wir Christen dürfen ein ganz positives Bild von dieser Welt haben. Sie ist Schöpfung Gottes. Über sie sprach Gott einst: Es werde. Und es war gut! Während ich dies schreibe, sitze ich unter einem Baum, die Vögel singen ihr Lied in den Abend, ich blicke auf eine wunderschöne Landschaft und genieße die Idylle im Reichshof, eine der besonders ländlichen Gebiete meiner Gemeinden.

Und zugleich weiß ich, dass anderenorts die Fichtenwälder komplett abgestorben sind. Durch Hitze, Dürre, Borkenkäfer. Nur wenige Kilometer entfernt. Dass in den Kliniken und Hospizen schwerst Erkrankte mit dem Tode ringen. Dass Feindschaft ein Miteinander in Familien oder unter Nachbarn unmöglich macht. Dass innere Ängste Menschen in die Verzweiflung treiben. Und Sünden dunkelste Schatten über unsere Welt werfen, wie uns durch die an körperliche und seelische Grausamkeit kaum zu überbietenden Verbrechen an misshandelten und sexuell missbrauchten Kindern zeigen.

Wie ist das möglich? Nach Konfuzius und Sokrates. Nach Martin und Franziskus. Nach Goethe und Schiller. Nach Gandhi und Martin Luther King.
Und: nach Jesus und seiner Botschaft!

Gott hat uns so oft gezeigt, welche Wege zum Heil führen. Was uns zum Glück und Segen wird. Welche Entscheidungen uns zu IHM führen, da sich Himmel und Erde berühren. Stattdessen haben sich Menschen völlig anders entschieden. Der „Welt“ ein ganz anderes Gesicht verliehen. Caligula und Diokletian. Judas Iskariot und Brutus. Stalin und Hitler. Pol Pot und Idi Amin…

Und leider nichr nur dort. Es gibt den Zwiespalt in den Entscheidungen in uns selbst! Zwischen rücksichtsvoll und gemein sein. Zwischen liebevollen und verletzenden Worten. Zwischen Dankbarkeit und Arroganz. Zwischen Gottesnähe und Goldenem Kalb. Zwischen Leidenschaft für das Gute und Gleichgültigkeit.

Die gute, gottgeschaffene Welt: sie hat einen Knacks bekommen. Schlagseite durch unsere Schuld. Und darum brauchte sie Jesus als Erlöser. Braucht ihn bis heute!

Und das ist es, was ER uns geschenkt hat: Jenen Frieden, der mehr ist als das, was uns unsere Welt oft anbietet. Mit ihren versteckten Interessen. Ihren faulen Kompromissen. Ihren Scheinlösungen, bei denen es nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer gibt. Opfer. Menschen, die auf der Strecke bleiben.

Darum braucht es Gott! Nicht als Notnagel, sondern als Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens. Durch ihn und in ihm finden wir Frieden. Echten Frieden. Für alle Zeit!

Euer Pastor Christoph Bersch

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