Tagesimpuls von Pastor Christoph Bersch

Liebe Freunde!

Vater

Was verbindet Ihr mit diesem Wort? Welche Erinnerungen und Empfindungen werden in Euch wach? Wie ist dieses Wort in Eurem Leben gefüllt? Welche Vater-Erfahrungen haben Euch geprägt?

Das sind sehr persönliche Fragen. Sie lösen in uns etwas aus. Und sie fließen mit ein in unser Gottesbild. Denn als Christen glauben wir an den Drei-einen: Vater, Sohn, Heiliger Geist, EIN Gott. Und unsere Vaterbeziehung(en) prägen auch unser Verhältnis zu Gott, so dass der Glaube an den himmlischen Vater entweder ein leichter und froher Zugang sein kann, Ausdruck einer positiven und lebendig-familiären Beziehung. Oder aber ein Hemmschuh, wo das Erleben des Vaters auf Erden von Demütigung, Bedrohung, Angst oder Enttäuschung geprägt war.

Vater – Jesu Leben ist ohne seinen himmlischen Vater nicht vorstellbar. Das erste von ihm überlieferte Wort spricht er als Zwölfjähriger im Jerusalemer Tempel: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Und das letzte Wort vor seinem Tod am Kreuz heißt im Lukasevangelium: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ Und dazwischen bringt er seinen Jüngern das Beten bei: „Wenn ihr betet, dann sprecht: Vater unser im Himmel…“
Selbst ist Jesus immer wieder ins Gebet versunken, nimmt sich gleichsam nächtliche Auszeiten, um seinem Vater nahe zu sein, sich mit ihm abzustimmen, in der inneren und innigen Begegnung mit IHM, für uns!

Besonders deutlich erleben wir dies im Abschiedsgebet Jesu in Johannes 17 sowie im Garten Getsemane angesichts seiner bevorstehenden Passion. Jesus lebt aus dieser Quelle. Aus dem Herzen, mehr noch: aus der Einheit mit dem Vater.

Hier kommen wir Menschen ins Spiel. Denn je nachdem, was wir mit unseren Vätern erlebt und wie wir das Erlebte verarbeitet haben, sind irdische Väter eine wirkliche Brücke in das Geheimnis Gottes hinein. Schließlich verdanken wir Vätern unser Dasein. Vieles haben sie uns beigebracht. Sie waren stark. Sie haben uns beschützt. Sie haben gebaut und repariert. Sie haben für viele Dinge gesorgt, die unser Leben bereichert haben. Sie haben getragen und getröstet.

Leider kann es auch ganz anders sein. Statt dass Väter stark sind, haben viele total versagt. Lassen die Mütter sitzen, wenn diese schwanger werden. Und sind damit nie für ihr eigenes Kind da. Oder stehen nicht ihren Mann, sondern wenden sich ab. Vergessen ihr Ja-Wort. Ihre Fürsorge- und Vaterpflichten. Oder verwechseln ihr Stark-Sein mit Gewalt. Mit Willkür. Mit Unfreiheit. Mit Verachtung und Verletzung.

In diesem Fall braucht es oft viel Geduld und eine lange Zeit, um das Gottesbild Jesu Christi, der uns Gott als „Abba“, als „lieben Papa“ nahebringt, doch annehmen zu können. Als ein Vater so, wie wir ihn in unseren allerbesten Erinnerungen haben. Oder wie wir ihn uns gewünscht hätten. Als ein Vater, der die guten Eigenschaften in sich vereint. Als ein Vater, der zuhört. Der begleitet. Der sich für uns einsetzt. Der zu uns hält. Jederzeit.

Im heutigen Evangelium lädt Jesus uns ein: „Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen.“ Jesus spiegelt mit seinem Wesen das Wesen des himmlischen Vaters wider. Er ist gütig und von Herzen demütig. Er hat Geduld. Geht unbeirrt seinen Weg für uns und an unserer Seite.

Als Philippus nachfragt: „Herr, zeige uns den Vater, das genügt uns“, erwidert Jesus: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ Und: „Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist?“ Jesus ist das sichtbare Ebenbild des unsichtbaren Gottes. Wenn in ihm, so der Titusbrief, die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes erschienen ist, dann sind das auch die Eigenschaften des himmlischen Vaters. Güte! Menschenfreundlichkeit!

Was haben wir im Laufe der Geschichte nicht alles aus Gott gemacht? Den zornigen Rächer. Den bedrohlichen Alleswisser. Objekt einer Pädagogik der Einschüchterung. Oder umgekehrt eine harmlose Greisenfigur. Mit dem Gott Jesu Christi hat das alles nichts zu tun. Güte und Erbarmen. Sorge und Liebe. Gerechtigkeit und Herzenswärme: diese Wesenseigenschaften Gottes stecken im Vaterbegriff Jesu.

Gott: ein Du. Unbegreiflich in seiner Liebe und zugleich greifbar, be-greifbar in Jesus Christus. Er ist unser Weg zum Vater! Und er lädt uns ein, in unserem Bitten und Beten diesen Weg zu betreten: „Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird.“

Ich wünsche Euch allen die immer tiefere Entdeckung des himmlischen Vaters. Denn jenseits unserer – positiven oder negativen – Erfahrungen mit unseren irdischen Vätern wird die Begegnung mit IHM, sei es hier und jetzt etwa im „Vater unser“, sei es in unserer Todesstunde, zu einem Geschenk unendlichen Glücks. Einer nie endenden Liebe!

Euer Pastor Christoph Bersch

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