Seit Donald Trump wissen wir alle, was ein „Deal“ ist.

Liebe Gemeinden von Oberberg Mitte!
Liebe Freunde!

Seit Donald Trump wissen wir alle, was ein „Deal“ ist. Wenn Du mir etwas geben kannst, wovon ich profitiere, dann kommen wir zusammen. Werden wir handelseinig. Wenn nicht, dann setzt es ein Handelsembargo, Strafzölle, den Abbruch von Beziehungen. Sag mir also, was Du hast: und ich schaue, ob ich mich dann für Dich interessiere. Und das alles auf der Basis: American first! Was das mit der biblischen Maßgabe „Einer schätze den anderen höher ein als sich selbst“ zu tun hat, ist leicht beantwortet: Nichts!

Wir brauchen aber gar nicht über den „großen Teich“ zu schauen. Auch bei uns wird vielfach rein nach Interessen gehandelt. Habe ich was von Dir? Lohnt es sich, dass ich mich auf Dich einlasse. Wirtschaftlich? Finanziell? Politisch? Habe ich persönlich was davon? Meine Interessen: First?

Den „Deal“ nennt man beim Fußball „Transfer“. Guter Fußballer gegen gutes Geld. Die Summen sind oft im zweistelligen Millionenbetrag. Es darf auch schon mal ein dreistelliges Millionensümmchen sein – Neymar lässt grüßen.

Doch es gibt nicht nur die Fußballtempel. Es gibt bei uns in Europa auch das Flüchtlingslager auf Lesbos, jene Insel, die der zärtlich-leidenschaftlichen Liebe von Frauen ihren Namen gegeben hat. Heute ist sie Symbol von Elend und Not. Von Hoffnungs- und Ausweglosigkeit. Von brutaler und erbarmungsloser Kälte.

Im Spiel von Interessen und Geld haben die Geflüchteten keine Chance. Sie werden festgehalten. Man könnte auch sagen: gehalten wie Käfighühner. Was können sie schon einbringen? Und dann werden sie mit Worten wie „Ströme“, „Massen“ und „Fluten“ versehen – viele Grüße an die Sprachmanipulatoren und Verbalhetzer!

Eine anonyme Masse? Nein: es sind MENSCHEN. Jeder einzigartig. Als Kind, Jugendlicher und Erwachsener. Als Mann und Frau. Alle mit einer – meist unfassbar schlimmen -Lebensgeschichte: Opfer von „Deals“ der Mächtigen. Ob in Syrien oder Afghanistan. Opfer von Waffen, die Europa gewinnbringend exportiert hat. Opfer von Ausbeutung, die im 21.Jahrhundert immer noch eine erschreckende Dimension besitzt.

Während (zum Beispiel) für die europäischen Fußballligen Geld und Grenzen keine Rollen spielen, wird mit den Menschen auf Lesbos eine zynische Politik betrieben. Ungarn first! Polen first! Österreich first! Bayern first! Die Suche nach einer gesamteuropäischen und vor allem humanitären Lösung wird kalt abgeblockt. Soll doch jeder sehen, wo er bleibt. Hauptsache nicht bei uns.

Das ist auch für uns als Kirche eine absolut wichtige Frage. Da können auf der einen Seite Frauen, die einen vom Namen der Insel Lesbos abgeleiteten Weg gegenseitiger geschlechtlicher Liebe gehen, offiziell nicht bei der Kirche arbeiten und werden sogar von den Sakramenten ausgeschlossen, während man sich mit den Machthabern (und ihren Wählern!) nur in den seltensten Fällen anlegt und ein gutes Verhältnis mit denen pflegt, die für die Situation auf Lesbos mitverantwortlich sind. Auch so ein „Deal“ zwischen Kirche und Staat – und wir sollten nochmal genauer die Aussagen Jesu lesen, wo er von den „Heuchlern“ spricht. Oder vom „Splitter“ und den „Balken“ in unseren Augen.

Was bei Donald Trump und bei vielen anderen der „Deal“ ist, ist bei uns Christen der „Bund“. So heute in der Schriftlesung des Tages, wo Gott dem Abraham sagt: „Ich schließe meinen Bund zwischen mir und dir samt deinen Nachkommen, Generation um Generation, einen ewigen Bund: Dir und deinen Nachkommen werde ich Gott sein.“

Merkt Ihr den Unterschied?
Das ist wie Tag und Nacht: Beim „Deal“ das Eigeninteresse: was haben ich davon? Was springt dabei raus? Wo kann ich profitieren? Beim Bund ist es die absichtslose Beziehung.
Gott liebt den Menschen, liebt sein Volk, obwohl wir ihm eigentlich gar nichts geben können. Nichts wirklich anzubieten haben. Doch er bleibt uns nahe. Von Generation zu Generation. Es ist seine Vor-Gabe. Ich muss mir die Beziehung nicht erst verdienen: sie ist mir geschenkt. Vom ersten Atemzug an!

Gott geht aber noch einen Schritt weiter. Denn Jesus, sein Sohn, feiert mit seinen Jüngern das Abendmahl und sagt dabei: „Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden.“ Gott weitet diesen Bund noch. Für alle Zeiten bis in Ewigkeit. Für alle Menschen aller Völker. Unabhängig davon, ob wir gesündigt haben. Denn er hat ja unsere Sünden vergeben. Am Kreuz auf sich genommen. Und damit alle Grenzen überwunden!

Der Bund, den Gott mit uns allen geschlossen hat, schaut nicht darauf, ob ich ihn „verdiene“. Keiner kann sich den Himmel „verdienen“. Aber wir können auf das Geschenk des von Gott für uns geöffneten Paradieses antworten, indem wir

– seinen Bund halten „du und deine Nachkommen, Generation um Generation“ (Lesung von heute)
– uns einsetzen gerade für die ‚Geringsten‘ („das habt ihr MIR getan“).
– die Liebe zum Maß unseres Handelns machen. Gerade in so herausfordernden Zeiten wie jetzt. Eine LIebe, die nicht „dealt“. Nicht, wie es Paulus ausdrückt, auf ihren Vorteil bedacht ist. Nicht ungehörig handelt. Nicht prahlt. Nicht nachtragend ist. Die sich an der Wahrheit freut, statt an faulen Kompromissen, an Verstellungen, an gezielten Lügen oder Halbwahrheiten.

Wenn die Menschen auf Lesbos und letztlich wir alle etwas wirklich brauchen, dann ist es diese Liebe und ein entschiedenes Handeln als Folge daraus!

Euch allen wünsche ich für heute die wärmende, tröstende Kraft SEINER Liebe, auch und gerade in diesen für viele Menschen so schwere Zeiten. Gebt DIESE weiter: nichts brauchen wir derzeit mehr!

Und heute nachmittag darf ich Euch wieder alle in die Feier der Heiligen Messe und in mein Gebet mit hineinnehmen.

Euer Pastor Christoph Bersch

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