Probe Erstkommunion – so stand es für heute vormittag in meinem Terminkalender. Denn morgen ist

Liebe Freunde!

Probe Erstkommunion – so stand es für heute vormittag in meinem Terminkalender. Denn morgen ist der Weiße Sonntag – seit Jahrzehnten in vielen unserer Gemeinden der Tag der 1.Heiligen Kommunion. So war es auch in diesem Jahr geplant. Morgen in Bergneustadt, Engelskirchen und Gummersbach, an den beiden kommenden Sonntagen in weiteren sechs Kirchen unseres pastoralen Sendungsraums.

Die Probe entfällt – wie so Vieles. Die Kinder bleiben zu Hause. Die vielen Vorbereitungen – das Schmücken der Kirche, die Proben der Chöre, die Gestaltung des Festes zu Hause – sind abgesagt. Bzw. auf ein späteres Datum verlegt, das wir heute noch nicht kennen.

Wieder ein vertrauter Termin, der nicht stattfindet. Der uns durch das Leben begleitet. Denn viele Menschen folgen unserer Einladung, wenn sie 25-, 50-, 60-, 70-, 75-, oder gar 80-jähriges Kommunionjubiläum haben.

Erstkommunion: Ein unvergessener Tag. Nicht wegen dem tollen Besuch, dem leckeren Essen und der besonderen Geschenke – das gehört auch alles mit dazu, wird aber irgendwann vergessen. Das Schlichteste aber bleibt. Die kleine, unauffällige Oblate. Die Hostie. Für uns nicht nur ein Stück Brot. Sondern mehr. Unendlich mehr!
„Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“

Mit dem Empfang dieses Brotes, in dem uns der „Leib Christi“ gereicht wird, ER SELBST also in unser Leben kommt, beginnt eine wunderbare Beziehungsgeschichte. Jesus begleitet mich durch das Leben. Mit allem Auf und Ab. Mit Wüsten und Oasen. Mit tiefen Leiderfahrungen und unermesslicher Freude. „Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt.“ – Hier wird das Lied Realität, da Jesus seine Freundschaft zu uns dadurch zeigt, dass er unser Lebens-Wegbegleiter wird.

„Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ – Das, was uns immer so selbstverständlich ist, fällt weiterhin aus. Wir können nicht gemeinsam Messe feiern. Weder in Oberberg Mitte noch in Engelskirchen. Weder in Rom noch in irgendeiner Kirche in Mitteleuropa. Das ist bitter. Für alle, die sich nach dieser Begegnung mit Jesus im Sakrament des Altares sehnen.
Und eben auch für die Kommunionkinder mit ihren Familien.

Wie gehen wir damit um? Alles, was wir in diesen Wochen tun können, kommt nicht an die tiefe, unmittelbare und im besten Sinne intime Begegnung mit dem Herrn heran. Er hat es ja schon beim Letzten Abendmahl gesagt: Tut DIES zu meinem Gedächtnis. Natürlich gab es vor Corona schon die Vielen, die sagten: „Man kann auch im Wald beten.“ Nie sagte einer: „ICH gehe jeden Sonntag im Wald beten.“ Analog sagen heute Viele: „Man kann auch zu Hause bleiben und dort beten.“
Und sie haben recht. Wenn aus dem „Man“ ein „Ich“ oder ein „Wir“ wird!

Sonst ist es so, wie bei Maria, der Schwester des Lazarus, die Jesus ehrte, indem sie ein Gefäß mit kostbarem Nardenöl über seine Füße ausbreitete, sie salbte und mit ihrem Haar trocknete (Johannes 12). Ein Moment tiefer Verbundenheit. Zuwendung. Zärtlichkeit. Doch auch zur Zeit Jesu gab es die Dauernörgler, die „Immer-ein-Haar-in-der-Suppe-Finder“. „Einer von seinen Jüngern sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben?“

Man hätte… – Klingt gut. Doch derjenige, der dies sagte, war Judas Iskariot. Johannes erwähnte ausdrücklich, es sei sechs Tage vor dem Paschafest gewesen, das heißt, wenige Tage vor dem Verrat. Judas, der Scheinheilige, hatte schon längst den Deal mit dem Hohen Rat vollzogen und für sein Vorhaben, Jesus auszuliefern, dreißig Silberlinge eingestrichen. Hier spielt er sich aber zur moralischen Instanz auf und macht anderen Vorwürfe. Man hätte!

Die Mentalität, mit den Fingern auf andere zu zeigen, statt selbstkritisch bei sich anzufangen und sein eigenes Gewissen zu erforschen, hat wieder zugenommen. Jeder weiß es besser. Jeder kritisiert drauflos. Mal sind es die Priester mit ihren Messen, die sie ohne die physische Präsenz des Volkes Gottes feiern. Mal sind es die Politiker, die alles schuld sind. Mal sind es die Vertreter der modernen Theologie. Oder umgekehrt die Vertreter der traditionellen Theologie, die jetzt endlich mal einsehen müssten, dass… – Wir hatten in den ersten Tagen einen guten Blick für das, was Menschen in Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft geleistet haben. Und mehr denn je dürfen wir auch jetzt dafür tiefe Dankbarkeit empfinden.

Und doch gibt es den notorischen Nörgler, den beflissenen Besserwisser, den „Man hätte, sollte, müsste“-Menschen. Natürlich kann es Verbesserungsvorschläge geben, braucht es Gespräche um auszuloten, was geht und wie etwas umzusetzen ist. Letztlich ist es eine Frage der Geisteshaltung – siehe Judas Iskariot, siehe Maria, die Schwester des Lazarus.

Nochmal die Frage: Wie gehen wir mit dem Schmerz um, keine Erstkommunionen feiern zu können? Keine Gottesdienste insgesamt mitfeiern zu können, und das in dieser Hoch-Zeit des Kirchenjahres mit dem Osterjubel und der Freude über die Auferstehung des Herrn.

Es ist, wie auch sonst im Alltagsleben während dieser Corona-Zeit. Wenn ich die Großeltern nicht besuchen kann, dann suche ich andere Möglichkeiten, mit ihnen im Kontakt zu sein. Ihnen am Telefon Mut zu machen. Einen Brief zu schreiben, oder ein Päckchen zu schicken. So heißt „Keine Messe“ ja nicht, zu Gott den Kontakt zu verlieren, sondern die Freundschaft zu ihm auf andere, uns mögliche Weise zu pflegen:

– Betet! In den Kirchen, die für Euch offen stehen. Da wartet Christus auf Euch im Tabernakel. Da wartet die Gottesmutter auf Euch, um Eure Bitten anzuhören und an Jesus weiterzugeben. Oder zu Hause. Macht euch eine Gebetsecke. Nehmt ein Bild zu Hilfe, das Euch gefällt und in die innere Ruhe führt. Ob mit eigenen Worten oder einfach schweigend, ob mit Hilfe eines Rosenkranzes oder des Gotteslobes: findet Eure Form! Und diese Zeit wird Euch gut tun – eben wie jeder liebevolle Kontakt uns in diesen Wochen besonders gut tut.

– Nutzt die Möglichkeiten, die unsere mediale und digitale Zeit uns schenkt! Kein selbst mitgefeierter Gottesdienst kann durch einen Fernseh-, You-Tube- oder Facebook-Gottesdienst eins zu eins erstetzt werden. Die Erfahrung, gemeinsam zu singen und vor allem die Heilige Kommunion zu empfangen, bleibt außen vor. Und trotzdem ist diese Möglichkeit, die Schriftlesungen des Sonntags zu hören, die Liturgie der Kirche mitzufeiern, eine schöne Form der Verbundenheit. Denn auch hier begegnet uns letztlich Christus.

– Entdeckt Christus in den Kranken. Den Bedürftigen. Den nach Liebe und Geborgenheit Hungernden. Und sucht Möglichkeiten, ihnen nahe zu sein. Fernsehkonsum steigt in diesen Wochen. Auch der Alkoholkonsum. Ich glaube, wir haben einfach bessere Alternativen!

– Und denkt bitte an unsere Kommunionkinder und ihre Familien. Sie brauchen uns als geistliche Stützen. Als stille Weggefährten. Es tut gut, wenn man sich gerade in diesen Wochen nicht alleine weiß.

Danke, dass ich mit Euch verbunden sein darf! Und Danke, wo Ihr mit Jesus verbunden seid! Daraus können wir in diesen schwierigen Wochen Kraft schöpfen.

Euer Pastor Christoph Bersch

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