Nun liegt die Nacht der Nächte hinter uns: jene Nacht, wo der Tod besiegt wurde.

Liebe Gemeinden von Oberberg Mitte!
Liebe Freunde!

Nun liegt die Nacht der Nächte hinter uns: jene Nacht, wo der Tod besiegt wurde. Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaft auferstanden! Ostern!

In Worten und Zeichen durften wir diese Froheste aller Botschaften verkünden. Die brennende Osterkerze, hineingetragen in die tiefe Dunkelheit. Das Licht vertreibt die Finsternis. „Die Nacht wird hell wie der Tag, wie strahlendes Licht wird die Nacht mich umgeben.“ So erklang es im großen Lob der Osterkerze, dem Exsultet. Und der Gesang fährt fort: „Der Glanz dieser Heiligen Nacht nimmt den Frevel hinweg, reinigt von Schuld, gibt den Sündern die Unschuld, den Trauernden Freude. Weit vertreibt sie den Hass, sie einigt die Herzen und beugt die Gewalten.“

Das Licht kommt nicht von uns. Es kommt von Christus. Aber es will uns berühren, durchstrahlen, verwandeln. Alle Frevel, Schuld und Sünde. Trauer und Hass. All die unterschiedlichen Leid- und Dunkelheitserfahrungen. Aus uns selbst heraus – und das ist im 21.Jahrhundert nicht anders als im 1.Jahrhundert – können wir die Dunkelheit des Todes nicht besiegen.

Auch Menschen mit den größten Allmachtsphantasien verstummen im Moment ihres Todes. Und spätesens dann kommt es nicht mehr auf uns selbst an. Spätestens dann kann ich meine Hoffnung nur noch auf einen anderen setzen: den, der die menschliche Letztgrenze durchbrochen hat: Jesus Christus, unser Erlöser.

Der Weg dahin, den Jesus dafür auf sich genommen hat, bleibt staunenswert. Geradezu ‚unglaublich‘.
Wieder mit den Worten des Exsultet: „O unfassbare Liebe des Vaters: Um den Knecht zu erlösen, gabst du den Sohn dahin!“ Jesus durchlebt und durchleidet mit seiner ganzen Existenz unser Lebensschicksal, unseren Schmerz, unser Sterbenmüssen. Ostern zeigt uns: wenn wir sterben, gehen wir nicht in die Sinnlosigkeit des Nichts, sondern in die Gemeinschaft des Reiches Gottes. Das „Folge mir nach“, mit dem Jesus die Jünger in seine Nachfolge gerufen hat, endet nicht mit dem letzten Atemzug. Es geht weiter, bis hinein in den unendlichen Lebensatem der innergöttlichen Liebe.

Diese wesentlichste aller Perspektiven lässt die kleinen Streitigkeiten, die oft so randständigen Themen in Welt und (leider auch) Kirche, die Selbstbeschäftigungen und Selbstbehauptungen, in einem neuen Licht erstrahlen. „Würde, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.“ – In seinem berühmtesten Lied „Über den Wolken“ beschreibt Reinhard Mey genau diese Erfahrung. Aus großer Höhe erscheinen die Alltagsstreitigkeiten so klein und gar nicht so bedeutend. Aus der großen Perspektive des Glaubens an Ostern, dem entscheidenden Duell von Tod und Leben, verblassen so viele andere Dinge, mit denen wir uns das Leben unnötig verkomplizieren und gegenseitig schwer machen.

Paulus, vor seiner Bekehrung einer der größten Bekämpfer der Auferstehungsbotschaft, erkennt darin den Anker und die Kraftquelle seines eigenen Lebens und DAS Fundament einer jeden Gemeinde. Denn erst durch die Auferstehung wird aus dem Rabbi Jesus der Messias, der Christus, der Herr. Und wir Christen!

Als Paulus in den 50er Jahren des 1.Jahrhunderts an die Gemeinde von Korinth seinen ersten Brief schrieb, da geht er zunächst auf manche Streitfragen ein. Denn die Einheit der Gemeinde war bedroht. Spaltungen schienen unausweichlich. Und Paulus schreibt schon am Anfang: Ist denn Christus zerteilt? Auch manche egoistische Praktiken in der Gemeinde spricht er an. Wo sich die einen für was Besseres halten. Und es die anderen auch spüren lassen.

Am Ende seines Briefes kommt Paulus auf das für ihn Wichtigste zu sprechen:
„Ich erinnere euch, Schwestern und Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet werden, wenn ihr festhaltet an dem Wort, das ich euch verkündet habe, es sei denn, ihr hättet den Glauben unüberlegt angenommen.“

Und dann spricht er von der Auferweckung am dritten Tag, den Erscheinungen des Auferstandenen: „Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen… Zuletzt erschien er auch mir.“

Auf diesem Zeugnis gründet nicht nur der Glaube der Gemeinde in der griechischen Hafenstadt Korinth im 1.Jahrhundert, sondern der Glaube aller christlichen Gemeinden bis zum heutigen Tag. Unsere Glocken werden sie heute verkünden. Die geschmückten Kirchen und brennenden Osterkerzen machen es für unsere Augen sichtbar. Vor allem aber darf unser Herz brennen, so wie das der Emmaus-Jünger. Umso mehr, wie sich ihnen der Sinn der Schrift erschloss. Und auch WIR entdecken, welch großer, oft noch ungehobener Schatz uns als Christen gegeben ist.

Dieses in Liebe brennende Herz, die Freude an Gottes unermesslich großer Heilstat für uns, und die Entdeckung, dass unser Leben einen guten, tragfähigen Grund hat, und dass uns Gott auch in den aktuellen Distanzen und Zukunftssorgen ganz nahe ist und trägt, wünscht Euch

Euer Pastor Christoph Bersch
– Gesegnete Ostern!

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