Nun feiern wieder ganz viele Menschen das Fest „Langes Wochenende“.

Liebe Freunde!

Nun feiern wieder ganz viele Menschen das Fest „Langes Wochenende“. In diesem Jahr mit deutlich weniger Stau auf der Autobahn. Oder der Flughafen-Sicherheitskontrolle zum Kurztrip nach Rom, Paris, New York oder Wohin-Auch-Immer.

Irgendwie ist alles ein bisschen anders. Der ein oder andere ist in Holland, an der Nord- oder Ostsee, im Allgäu – aber sehr viele sind einfach zu Hause. In der näheren Umgebung. Wie auch immer: fast alle mit Vorsicht und Umsicht. Normalität ist anders. Und sie verändert sich gerade. Weil die Normen, die „Normalität“ den Namen geben, vielfach neu überdacht werden. Was ist wichtig? Was braucht nicht zu sein? Worauf möchte ich achten?

Wenn in diesen Zeiten mehr bedacht und mehr reflektiert wird, möchte ich Euch einladen, auch diesen Festtag „Fronleichnam“ ein wenig zu bedenken und zu reflektieren. Warum gehen Menschen seit fast 750 Jahren in Prozessionen durch Städte und Dörfer, oder wie auf der Belmicke kilometerweit durch Felder und Wiesen, ziehen ihre besten Kleider an, schmücken Altäre, legen Blumenteppiche, singen mit Musikkapellen Lieder, knien sich hin zum Segen mit der Monstranz und dem Leib Christi in ihr? So war es all die Jahrzehnte – bis auch hier Corona ein „Wie letztes Jahr? – Wie letztes Jahr!“ verhindert.

1978 habe ich meinen Ministrantendienst als 12-jähriger (etwas spätberufen) in St. Maria in der Kupfergasse bei der großen und ältesten Kölner Fronleichnamsprozession begonnen. Das war ganz besonders! Später habe ich Prozessionen im österreichischen Mariazell, in Solingen-Burg und Engelskirchen miterlebt, die Prozessionen des ehemaligen Dekanates Wuppertal-Elberfeld organisiert und seit 2013 Fronleichnam in Oberberg Mitte, später auch (wieder) im Seelsorgebereich Engelskirchen gestaltet.

Mir bedeutet dieses Fest sehr viel!
Da ist das Bekenntnis zu dem, der gesagt hat: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“ Gott bleibt nicht auf Distanz. Er kommt zu uns. Tritt wie am Ostertag auch in unsere Mitte. Begleitet unsere Wege wie damals den der Emmaus-Jünger – und gibt sich uns zu erkennen im Teilen des Brotes.

In den Prozessionen durch unsere Straßen teilen wir diesen Glauben – und wir teilen ihn mit! Gerade in der Kölner oder auch der Wuppertaler Innenstadt waren viele irritiert. Oder belustigt. Oder neugierig. Manche interessiert, andere betont uninteressiert. Es gibt auch die, die eine solche Prozession stört. Sie behindert ja den Verkehr. Sie macht Lärm. Sie nervt, weil auch Nichtchristen mit Gebeten und Liedern konfrontiert werden, mit denen sie zunächst gar nichts anfangen können. Genauso wie Glocken, wo Beschwerden und Beschimpfungen zunehmen. Wie gehen wir damit um? Angst? Nur kein Ärger? Nur nicht auffallen? Ist es heute einfacher, sich in seiner sexuellen Orientierung zu outen als in seiner religiösen Orientierung?

Fronleichnam ist ein sehr analoges Fest. Mit konkreten Begegnungen. Mit einer Hostie, über die gesungen wird: „DIESES Brot sollst du erheben, welches lebt und gibt das Leben.“ Auf der Belmicke auch mit Böllerschüssen. Sehen, hören, (Weihrauch oder Blumen) riechen, sprechen und singen, berühren und sich berühren lassen: es ist ein sinnliches Fest. Und unser Glaube braucht dieses Sinnliche! Das Unfassbare im Zeichen. Der Gott-mit-uns! Lebens-Mitte, Lebens-Mittel und Lebens-Mittler. So groß und doch so klein. „Wir preisen deinen Tod, wir glauben, dass du lebst, wir hoffen, dass du kommst zum Heil der Welt.“

Was mich fasziniert: auf diesen Fronleichnamsprozessionen nehmen wir keine Brotkörbe mit. Mit Dutzenden Brotsorten. Mit einer Leistungsschau des Deutschen Bäckerhandwerks.
Wie anders ist es bei anderen Umzügen: ob es ein Südtiroler Erntefest, ein rheinischer Karnevalszug, ein bergischer oder Neusser Schützenumzug oder eine russische Militärparade ist: Man zeigt, was man hat!

Und hier? Eine kleine Hostie. Die man total übersehen würde, wäre sie nicht in einer Monstranz. Und diese Monstranz in der Hand des Priesters oder Diakons. Und dieser Priester oder Diakon umhüllt mit Gewändern. Und der mit Gewändern umhüllte Priester oder Diakon unter einem „Himmel“, dem von vier bis sechs Männern getragene Baldachin. Begleitet von Messdienern mit Glocken. Und Kommunionkindern. Und…

Also doch eine Art „katholische Leistungsschau“? Ja und Nein. Sinnlichkeit, wo man hinschaut. Und sie tut gut. „Do jeiht et Hätz op!“, sagt der Kölner. Und doch ist alles nur Drumrum. Letztlich auf ein Stück Brot ausgerichtet, das wir das „Allerheiligste“ nennen, „Brot vom Himmel, das alle Erquickung in sich birgt“.

Im ersten Buch der Könige, Kapitel 17, wird von einer gewaltigen Hungersnot erzählt. Angekündigt vom Propheten Elija. Er erleidet sie selbst. Bei einer Witwe mit ihrem Sohn, die buchstäblich nichts mehr haben. Unmittelbar vor dem Verhungern stehen. Ausgerechnet sie bittet Elija um etwas zu essen. Und die, die selbst nicht mehr das Allernötigste zum Essen haben, teilen das Letzte. Und sie verhungern nicht!
„Der Mehlkrug wurde nicht leer und der Ölkrug versiegte nicht.“

Für mich steckt hier elementarstes Gottvertrauen dahinter. Gott wird für die sorgen, die für andere sorgen. Nicht für die, die alles anhäufen: Kleidung, Urlaubstage, Immobilien. Vorräte aller Art. Was wird Jesus uns im Vater unser lehren? „Unser TÄGLICHES Brot gib uns heute.“ Also das, was wir für DIESEN Tag brauchen. Können wir so auf Gott vertrauen? In der inneren Haltung, dass ER für uns sorgt?“

Wenn in diesem Jahr auch an Fronleichnam so Vieles ganz anders ist, so lädt auch dies zum Innehalten ein. Über den Wert dieses Tages, der so viel mehr ist als nur „langes Wochenende“. Über die Werteskala meines Lebens. Über das so Wert-Volle, das Gott schenkt. Er allein uns schenken kann.

Klein und unscheinbar: so sieht die konsekrierte Hostie aus. Und doch hätte uns Jesus nichts Kostbareres schenken können. Da er sich selbst schenkt – für uns!

Ein schönen Fronleichnamstag wünscht Euch von Herzen

Euer Pastor Christoph Bersch

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