Morgendliche Heilige Messe, Beerdigung, Briefe schreiben, Krankensalbung, Trauergespräch, telefonische Absprachen…

Liebe Freunde!

Morgendliche Heilige Messe, Beerdigung, Briefe schreiben, Krankensalbung, Trauergespräch, telefonische Absprachen – manchmal wird es Abend, bis die Zeit für einen Impuls zur Verfügung steht. Von daher bitte ich Euch für heute nachträglich um noch mehr Geduld, als Ihr in diesen Zeiten sowieso schon aufbringen müsst.

Ich möchte heute mit Euch über Masken nachdenken.
Sie prägen seit heute noch mehr unseren Alltag. Ich selbst habe nun auch eine Maske als Mund- und Nasenschutz stets bei mir: eine weitere Facette, sich und in diesem Fall vor allem andere Menschen vor der Übertragung des Corona-Virus noch ein Stück mehr zu schützen.

Jemand schickte mir gestern einen schönen, mit Augenzwinkern zu verstehenden Satz: „Morgen 0.00 Uhr beginnt der größte Maskenball, den Deutschland je gesehen hat! Eintritt frei.“ In der Tat: man sieht Bürgermeister und Bestatter, Bauarbeiter und Bischöfe bei Facebook und im realen Leben mit und hinter Masken.

Masken schützen. Das ist im Moment der Hauptgrund, warum wir in der Gesellschaft alle verpflichtet wurden, dort die Masken aufzusetzen, wo wir einander (zu) nahe kommen. Und wenn sie uns lästig und ungewohnt sind, dann dürfen wir nicht vergessen, dass gerade in helfenden Berufen Menschen auch vor Corona oft zum Maskentragen gezwungen sind:
Taucher, die mit ihrer Maske in der Tiefe nach Ertrunkenen suchen – und dabei vielleicht noch Menschen das Leben retten. Feuerwehrleute, die mit ihren Atemschutzmasken in brennende Wohnungen oder Wälder hineingehen, um Schlimmstes zu verhindern, dabei ihr eigenes Leben riskierend. Ärzte und ihre Helfer/-innen im Operationssaal, die die Infektionsgefahr für einen Kranken möglichst gering halten möchten. Wir können dankbar sein, was Menschen auf sich nehmen, um andere zu schützen, zu bewahren, ihr Leben zu retten. Und etwas zurückhaltender im Herumnörgeln…

Masken verbergen. Das ist der Clou eines Maskenballs. In die Rolle eines anderen zu schlüpfen. Nicht gleich erkannt zu werden. Mit jemandem in Beziehung zu treten, den man gar nicht (er)jkennt. Den Überraschungsmoment erleben und auskosten.

Masken verbergen. Das kann aber auch ins Böse umschlagen. Bankräuber, Diebe, Gewaltverbrecher sind häufig maskiert. Keiner soll eine genaue Personenbeschreibung abgeben können. Die finstere Tat soll unerkannt und ungesühnt bleiben. Die Schattenseite von Masken.

Wir haben bisher über Masken gesprochen, die wir äußerlich tragen. Wo aber sind wir selbst Maske? Der anderen etwas verbirgt? Der vertuscht? Der sich nicht in die Karten seines Lebens schauen lässt? In einer Redensart sprechen wir von „Jemandem die Maske vom Gesicht reißen“. Und damit sind nicht die oft phantasievollen Masken gemeinst, die wir seit spätestens heute tragen, sondern jenes hintergründige Versteckspiel eines Doppellebens, einer Scheinwelt, eines großen Betrugs, der Beziehungen auf schwerste Weise belasten kann.

Unser ganzes Personsein steht im Zusammenhang mit einer Maske, einer Rolle, Bei Wikipedia kann man lesen: „Zurückverfolgen lässt sich der Ausdruck „persona“ bis zu Homer, wo er als Bezeichnung für das Gesicht eines Menschen oder gelegentlich eines Gottes Verwendung fand. Die Person fand sich seitdem vor allem im Kontext des Theaters, wo sie eine Rolle oder Maske beschrieb.“

Ich finde das total interessant: Wir alle sind Personen mit einer Außenseite und einer Innenseite. Das Äußere kann das Innere widerspiegeln: dann sind wir authentische Menschen, die nichts verbergen. Und das heißt im Griechischen „A-letheia“ = Wahrheit. Wahres Menschsein besteht darin, nicht bloß eine Rolle zu spielen!

Wir kennen das ein wenig aus Volkstheaterstücken a la Millowitsch. In diesen Komödien („Tante Jutta aus Kalkutta“ und ähnliche) geht es fast immer um Verwechslungen und Verstellungen. Man lügt oder verdreht die Wahrheit immer mehr, bis schließlich das Chaos überhand nimmt, alle am Rande der Verzweiflung stehen – und dann klärt sich auf wunderbare Weise die Situation. Und am Ende sind alle glücklich, dass dieses Versteckspiel schließlich ein glückliches Ende gefunden hat.

Manchmal ist es wirklich lustig anzusehen, wie Menschen sich selbst etwas in die Tasche lügen, es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen – vor allem, wenn es um weniger gewichtige Dinge geht. Auch manche Spiele leben von dieser wunderbaren Mischung aus Wahrheit und Mogeln/Schummeln. Die legendären „Maxchen“-Abende aus Studentenzeiten bleiben unvergessen (einschließlich des Katers am nächsten Morgen)…

Doch Hand aufs Herz: Wer erlebt schon – jenseits von Spielen – gerne, dass ein Vertrauter der eigenen Familie, der eigene Partner oder eine andere wichtige Bezugsperson unwahrhaftig, ja verlogen ist. Das kann ganz schön verletzen. Und ein Vertrauensverhältnis nachhaltig beschädigen. „Warum warst du nicht ehrlich zu mir?“ „Warum erfahre ich das nur hintenrum?“ „Weißt du eigentlich, wie weh du mir damit getan hast?“ – Wie oft sind solche Sätze schon aus tiefer innerer Enttäuschung ausgesprochen worden? Weil man sich maskiert hat. Unerkannt bleiben wollte in seinen unguten oder egoistischen Absichten.

Jesus geht mit dieser negativen Maskerade hart ins Gericht. Lest mal das 23.Kapitel bei Matthäus. Da fallen die Fassaden!
Wir alle – auch wir Geistlichen! – sollten uns diese Worte sehr genau anschauen und uns davon betreffen lassen, um nicht durch faule Lebenskompromisse oder eine perfide Doppelbödigkeit die Beziehung der Menschen zu Gott zu zerstören. Wenn wir selbst mit unserem Leben der Brief Christi sind, den Menschen lesen, dann darf dieser Brief nicht voller Lügen und Heucheleien sein. Dann träfe auch auf uns zu, was Jesus zum Beispiel in Mt 23,27 sagt: „Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr seid wie die Gräber, die außen weiß angestrichen sind und schön aussehen; innen aber sind sie voll Knochen, Schmutz und Verwesung. So erscheint auch ihr von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz.“

„Jesus wusste, was im Menschen war.“ Und er weiß es auch heute. Von uns! Und er sagt solche harten Worte nicht, um uns Menschen zu verurteilen, sondern zu schauen, wo wir mit unserer Maskerade, gleichsam wie maskierte Diebe, Menschen ihr Vertrauen und ihre Würde rauben. Vor Jesus können wir letztlich nichts verbergen. Und vor allem: wir brauchen es nicht! Denn er will, dass wir zur Wahrheit finden. Die uns frei macht! Und damit wir sie finden, ist er sie selbst! Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Schauen wir abschließend noch einmal auf die schützenden und rettenden Masken. Sie sind ein Bild für das, was wir wie einen wertvollen Schatz bewahren dürfen. Atemschutzmasken lassen uns auch bei Feuer Luft einatmen, ohne uns durch Rauch zu vergiften. Unsere jetzigen Alltagsmasken tragen zu Rücksichtnahme und Respekt bei. Wenn ich also etwas verberge, dann etwas, was so kostbar ist wie der Atem, ja wie das Leben selbst. Wir müssen nicht alles im Leben jedem Menschen öffnen. Jesus hat viele DInge mit seinem himmlischen Vater besprochen. Nachts. Wenn er alleine war. Oder nur mit den zwölf Aposteln. Im kleinen, vertrauten Kreis.

Legen wir unser Leben, auch all das in der Tiefe Verborgene, in Gottes Hände. Und suchen wir uns Menschen, denen wir vertrauen, uns anvertrauen können. Weil sie glaubwürdig sind. Wahrhaftig. Unverstellt. Sorgen wir so für unsere Seele. Die so kostbar ist. Aber auch so verletzlich. Die Schutz braucht. Und den Atem der Liebe!

Euer Pastor Christoph Bersch

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