Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius, Sophia sind… – richtig: die Eisheiligen! Es sind die Heiligengedenktage

Liebe Freunde!

Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius, Sophia sind…
– richtig: die Eisheiligen!

Es sind die Heiligengedenktage vom 11.-15.Mai 2020, und in diesem Jahr haben sie pünktlich wie selten das kühle Wetter in unsere Region gebracht.

Was für ein schöner Begriff: Eis-Heilige.
Das möchte ich auch einmal werden: ein Heiliger, dargestellt mit einem Eis. Von meiner heimatlichen Lieblings-Eisdiele seit Kindertagen: Engeln in Köln-Nippes. Oder Giolitti in Rom. Ein Vorgeschmack des Himmels auf Erden! Auch unsere oberbergischen Eiscafés haben wunderbare Eissorten und Eisbecher. Und das selbstgemachte Nougat- und Amarettoeis bei Marita und Andreas: ein Genuss!

Eines der unvergesslichen Zitate meines früheren Bischofs Kardinal Joachim Meisner, der mich zum Priester geweiht hat, lautet: „Wer nicht genießt, wird ungenießbar.“ Da ist sehr viel Wahres dran. Es gibt eine Unzufriedenheit, die aus der Unfähigkeit herrührt, etwas genießen zu können. Einen freien Abend. Ein Treffen mit Freunden. Einen schönen Spaziergang. Ein spannendes Buch. Ein Glas Wein. Oder „Blootwoosch, Kölsch un e lecker Mädche“, wie es „Die Höhner“ kurz und knackig im Blick auf die Grundbedürfnisse eines Kölners besingen.

Für mich hat Eis zuerst diese Bedeutung: das Besondere. Mehr als Brot und Wasser. Ein guter Nachtisch, oder – wie wir es beim „Pichler“, der wunderbaren Eisdiele in St. Leonhard im Südtiroler Passeiertal, schon so oft erleben durfen – das große Finale am Ende einer ausgiebigen Bergwanderung. Es macht nicht schlank, ist nicht gesund, hat zuviel Kalorien, kurzum: etwas Herrliches. Herrlich unvernünftig! Oder wie die an Karnevalsdienstag diesen Jahres verstorbene Marie-Luise Nikuta (die „kölsche Mottoqueen“) in einem ihrer bekanntesten Lieder sang: „E paar Grosche für Ies… dat es för die kleine Pänz der Himmel op der Ääd“. Und ich möchte hinzufügen: nicht nur für die kleine Pänz, och för die Jruße!

Ihr merkt schon: das Thema „Eisheilige“ gehe ich nicht streng wissenschaftlich-theologisch an, sondern mehr in freien Assoziationen. „Eis“ – das steht natürlich für Kälte. Neben dem Speiseeis gibt es das winterliche Eis. Es ermöglicht Eishockeyspiele und Schlittschuhlaufen. Im Kölner Zoo begegnen uns schon kurz hinter dem Eingang die Eisbären. In St. Quirinus in Köln-Mauenheim (der Heimat der oben genannten Marie-Luise Nikuta) gab es vor Jahren eine großartige Krippendarstellung. Christus wird geboren – im Eis! Statt Ochse und Esel standen dort ein Eisbär und ein Pinguin. Maria und Josef waren gekleidet wie Eskimos, und der Stall von Betlehem war eine Eisscholle mit einem Iglu darauf. Christus bringt Licht in eine dunkle Welt (wie viele Wochen ist es in Grönland im Winter dunkel!). Er bringt Wärme in die Kälte zwischenmenschlicher Beziehungen.

Damit sind wir bei der anderen Bedeutung von Eis angekommen. Nicht im Sinne einer süßen Köstlichkeit oder einer romantischen Winterlandschaft, sondern von Frost und Erstarrung. „Ihr Lächeln gefror zu Eis“, lesen wir manchmal in Romanen. Und wir wissen: da geht gerade eine Beziehung den Bach runter. Da ist die Herzlichkeit und Freundlichkeit, für die ein Lächeln normalerweise steht, einer unheilvollen Kühle gewichen. Und solche „eisigen Beziehungen“ kennen viele Menschen aus ihren eigenen familiären Bezügen. Aus einem frostigen Betriebsklima am Arbeitsplatz. Aus Spannungen zwischen Ländern, wie zum Beispiel Russland und der Ukraine. Aus einer Haltung des Misstrauens, das einen frösteln lässt.

Wenn die Heiligen unsere guten Fürsprecher beim himmlischen Vater sind, so können wir auch die Eisheiligen in diesen Tagen anrufen:
– dass wir die Freude und das Genießen, die Lust am Leben nicht verlieren: als wunderbare, uns geschenkte Gaben Gottes.
– dass Menschen, die verstört, verletzt, verbittert, verwundet sind bis tief in ihre Seele, von der heilenden und liebenden Kraft Jesu berührt werden und wieder neu lernen zu lächeln. Sich an kleinen Dingen zu erfreuen. Und wenn es nur eine Kugel Eis der persönlichen Lieblingssorte ist.
– dass die kühleren Tage, die wir gerade erleben, ein Zeichen dafür sind, dass wir vor einer lebensbedrohlichen Klimaerwärmung verschont bleiben, und dass wir alles dafür tun, unseren Planeten und seine Ressourcen zu bewahren.
– dass da, wo ein bitterkaltes Klima die menschlichen Beziehungen einfrieren lässt, das wärmende Feuer des Heiligen Geistes eine Veränderung zum Guten bewirkt und eine Wiederbelebung des Miteinanders bewirkt.

Ihr seht: die Eisheiligen sind nicht nur Wetterboten. Sie sind in diesen Tagen Brückenheilige: auf jene Seite des Flusses hin, wo Freude und Genuss, wo Wärme und neues Leben auf uns warten. In Gott.

Euer Pastor Christoph Bersch

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