Karfreitag! Unermessliches Leid! „Gelitten unter Pontius Pilatus“,

Liebe Gemeinden von Oberberg-Mitte!
Liebe Freunde!

Karfreitag! Unermessliches Leid!

„Gelitten unter Pontius Pilatus“, der Jesus geißeln lässt und ihn zur grausamen Kreuzigung verurteilt.
Gelitten unter den hasserfüllten Rufen: „Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“
Gelitten unter der Koalition des Bösen: Herodes und Pilatus werden Freunde. Römische Besatzung und die religiöse Führungsschicht (Hohepriester, Hoher Rat) tun sich zusammen („Nehmt ihr ihn und richtet ihn.“).
Gelitten unter Spucke, Dornen, Verhöhnung und der Entwürdigung, selbst seiner letzten Kleider beraubt zu werden
Gelitten unter Verrat, Verleumdung, Feigheit und Gleichgültigkeit („Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen.“)
Gelitten unter der Last des Kreuzes, das er auf seinem blutig geschlagenen Rücken den Berg hoch tragen muss, unter den unsäglichen Schmerzen, als die Nägel in seine Handwurzelknochen getrieben werden.
Gelitten unter Durst und Atemnot, unter der Finsternis, die mitten am Tag über das Land kam – bis zu jenem Todesschrei und den Worten „Es ist vollbracht.“

Wie leid-voll war sein Lebensende! Ohne dass er schuldig gewesen wäre. Er, der allen Gutes tat, erfährt die Wucht der Sünde. Der Retter der Welt wird getötet. „Er wurde für uns zur Sünde gemacht.“

Das ist Karfreitag – und doch gibt es in dieser Koalition des Gutes-unterlassen und Böses-tun Lichtblicke.

Da ist Veronika mit ihrem Schweißtuch – im ganzen Trubel kaum wahrgenommen (auch die Bibel selbst berichtet nicht von ihr – sie ist geradezu die Patronin der Übersehenen, der Unbeachteten, der stillen Helferinnen und Helfer) leistet sie einen kleinen, aber kostbaren Dienst.

Da sind die wenigen Frauen, die unter dem Kreuz stehen, darunter seine Mutter. Und der eine Mann: Johannes.
Männer, wo seid Ihr, wenn es drauf ankommt?!? Diese Frage haben schon viele Frauen stellen müssen, bis heute.
Unsere Bilanz als Männer in dieser so entscheidenden Stunde der Wende vom tiefsten Unheil zum von Gott bewirkten Heil fällt düster aus. Johannes rettet gleichsam unsere Ehre – und bekommt von Jesus den Auftrag, sich Maria anzunehmen („Siehe, deine Mutter!“).

Und dann gibt es noch einen Mann, der in dieser geballten Unmenschlichkeit für Hilfe sorgt: Simon von Cyrene.
„Sie zwangen ihn, das Kreuz zu tragen.“ Freiwillig machte er es nicht, nach stundenlanger Feldarbeit. Viele von uns finden sich darin wieder: Helfen, Da-Sein, eine Last mittragen, obwohl man lieber Feierabend hätte. Ob bei der freiwilligen Feuerwehr, beim Katastrophenschutz, bei der Versorgung und Betreuung von Corona-Kranken, in der Seelsorge, als Arzt oder Handwerker, bei kleinen Kindern, kranken oder pflegebedürftigen Angehörigen… – zum Glück gibt es in einer Welt, in der viele um sich selbst kreisen oder sich so manipulieren lassen wie damals die „Kreuzige ihn“-Schreier, diejenigen, die sich für andere Menschen einspannen lassen.

Dafür steht für mich Simon von Cyrene: und ich lade Euch ein, einfach das Bild zu betrachten, wie er mit Jesus das Kreuz trägt. In meiner früheren Pfarrgemeinde St. Mariä Empfängnis in Wuppertal-Vohwinkel hängt ein Abdruck dieses eindrucksvollen Kreuzwegs von Sieger Köder; das Original finden wir in St. Nikolaus, Bergisch Gladbach-Bensberg.

Schaut Euch die Gesichtszüge von Simon und Jesus an. Den Blick. Die Haltung. Lasten tragen – miteinander und füreinander.

Dass Ihr so ein wenig die Tiefe der Liebe Gottes ermesst und Euer Herz ihm und einander öffnet, wünscht Euch an diesem Karfreitag 2020

Euer Pastor Christoph Bersch

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