In dieser Woche verteilte ich in Gummersbach-Strombach unsere ökumenischen Broschüren

Liebe Gemeinden von Oberberg Mitte!Liebe Freunde!

In dieser Woche verteilte ich in Gummersbach-Strombach unsere ökumenischen Broschüren „oberbergische Ostern“. Auf einmal war ein riesiges Geschepper aus einer Wohnung zu hören. Offensichtlich Glas und/oder Porzellan. Es klang wie der gesamte Inhalt einer Spülmaschine. Danach ein Augenblick der Stille. Und dann der Entsetzensschrei: Oohh neiiinnnn!

Ähnlich ist es bei schweren Verkehrsunfällen: Nach dem Crash Stille. Manchmal Totenstille. Und dann erst kommen die Martinshörner der Feuerwehr und der Rettungswagen.

Ich erinnere mich an den Tod meiner Mutter vor gut zwei Jahren. Die Bemühungen der Ärzte. Die intensivmedizinische Betreuung. Ein unentwegtes Piepsen von Geräten. Typische Töne von Behandlung, Versorgung und Überwachung der Vitalfunktionen. Dann – im Bewusstsein, dass im unmittelbaren Sterbeprozess medizinisch nichts mehr gemacht werden kann – das Abschalten der Geräte. Auf einmal Ruhe. Nur mein Bruder mit seiner Frau und ich am Sterbebett. Der leise Moment des Übergangs. Die Stille danach.

All das sind für mich Bilder des Karsamstags. Die Katastrophe ist eingetroffen. Nicht mehr rückgängig zu machen. Jesus ist tot. Im Grab. Nichts und niemand kann das Geschehene ungeschehen machen. Einen Zeitumkehrer – welch großartiger Einfall von Joanne K. Rowling – gibt es nur im 3.Band „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, aber in der Wirklichkeit genauso wenig wie den Hippogreif „Seidenschnabel“, der durch das „Rückwärtsdrehen“ der Zeit seiner Hinrichtung entgeht.

Karfreitag ist Jesus seiner Hinrichtung nicht entgangen. Der Lärm der Straße, auf der Jesus sein Kreuz hochschleppte, ist verstummt. Die Verspottungen hören auf. Alles nicht mehr nötig. Ziel erreicht. Jesus ist zum Schweigen gebracht.

Die Ruhe der Betroffenheit.
Die Ruhe der Hilflosigkeit.
Die Ruhe der Endgültigkeit.

Mit dem Karfreitag ist alles aus.
Mit dem Karsamstag bleibt alles aus.
Es ist der Blick in den Abgrund des Todes. Lähmendes Entsetzen. Sieht so das Ende aus?

Die einen schließen sich ein.
So wie sich trauernde Menschen oft verkapseln.

Der anderen gehen weg. So wie trauernde Menschen oft einen Schlussstrich ziehen. In die alte Heimat, in ein früheres Leben zurückgehen. Dafür stehen die Emmausjünger.

Die dritte Art des Umgangs mit dem Tod: ihn zu verarbeiten. Natürlich nur unzulänglich. Der Gang zum Friedhof. Die Sorge um das Grab. Die Suche nach der Nähe zu dem geliebten Verstorbenen. So machen es die Frauen aus dem Freundeskreis Jesu.

Irgendwie wird das alles dem Tod nicht gerecht. Nichts wird dem Tod gerecht! Egal, was ich tue oder nicht tue.

Karsamstag: in all den äußeren Vorbereitungen auf das Osterfest – die letzten Einkäufe, die Zubereitung des Essens (der Braten, der Kuchen, die „Osterwiese“), die Überlegungen zur Gestaltung dieser Tage im Zeichen von Corona – lade ich Euch zu einer Zeit des Innehaltens ein. Des Aushaltens jener Totenstille, die diesem Karsamstag eigen ist.

Wenn ich diesen Schmerz und die Ohnmacht danach empfinde, die Situationen meiner eigenen Lebensgeschichte wie das Erspüren dessen, was Mitmenschen in diesen Tagen durch- und aushalten müssen, dann werde ich auch Ostern anders, intensiver erfahren.

Psalm 130 spricht von der Tiefe, aus der heraus wir unsere Stimme zu Gott erheben. Mir steht das Bild eines tiefen Brunnens vor Augen, aus dem ich alleine nicht herauskomme. Oder einer Gletscherspalte. Wäre Gott eine Illusion für mich, dann würde ich schweigen. Am Ende verzweifeln. Und alles als sinnlos deuten. In der Not aber können und dürfen wir rufen. Schreien. Auf uns aufmerksam machen. Mit unserer Stimme. Heute auch, indem wir uns durch unsere Handys orten lassen. Dann können wir gefunden und gerettet werden!

Karsamstag ist der Tag der gefühlten Verzweiflung. Der Machtlosigkeit. Der Leere. Ich lade Euch ein:
Bleibt online mit Gott! Ruft zu ihm! Er wird Euch hören. Und retten!!!

Aber das ist erst die Perspektive von morgen. Die österliche Perspektive.

Bei der Osternachtfeier heute Abend um 21 Uhr seid Ihr alle mit dabei. Das Licht der Osterkerze – Lumen Christi – leuchtet für Euch! Die Lesungen, die von Rettung, Heil und Neuanfang sprechen, sind für Eure Ohren und Euer Herz gedacht. Die Eucharistie feiere ich für und mit Euch, da sich Euch der Auferstandene gerade im „Brotbrechen“ zu erkennen gibt. Denn Christus ist für Euch gestorben. Hat sich für Euch begraben lassen. Und wird für Euch auferweckt!

Euer Pastor Christoph Bersch

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