In diesen Tagen feiern viele Priester ihren Weihetag. Meist tun sie es voller Dankbarkeit

Liebe Freunde!

In diesen Tagen feiern viele Priester ihren Weihetag. Meist tun sie es voller Dankbarkeit – so wie es auch Paare an ihrem Hochzeitstag tun. Es ist ein Innehalten auf einem Beziehungsweg. Und für uns Priester ist es Christus, mit dem wir eine „Ehe“ eingegangen sind. Denn auch hier ist die Basis: „Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.“

Jedes Liebesversprechen baut auf einer Liebesgeschichte. Kennenlernen. Fasziniert sein. Einander anvertrauen. Intimität teilen. Bis hin zu dem Versprechen: „…bis der Tod uns scheidet.“ Bis zum letzten Atemzug. Ohne Ausstiegsklausel.

So ist es bei kirchlichen Hochzeiten. Der Wunsch ist da. Der Wille, einander treu zu bleiben, „in guten und schweren Tagen“, bildet das Fundament einer verlässlichen Beziehung. Durch Freude und Leid. Dick und Dünn. Flauten und Stürme.

Das ist bei uns Priestern genauso. Nur aus Leidenschaft zu Gott und einem vorbehaltlosen Ja zur Kirche kann dieser Berufungs- und Beziehungsweg ein Leben lang gelingen. Kann!

Weder in einer Partnerschaft noch im Priestersein darf man sich Illusionen hingeben. Man lebt nicht permanent in Flitterwochen bzw. im Primizstatus. Alltag kommt ins Spiel. Konflikte bleiben nicht aus. Enttäuschungen greifen tief ins Seelenleben ein. Die Beziehung verändert sich, weil das ganze Leben, das Umfeld wie die eigenen Gedanken und Überzeugungen sich verändern.

Wie gehe ich damit um? In einer Ehe zum Beispiel: Wie tauschen wir uns aus? Gelingt Kommunikation? Verständigung? Zwischen Überzeugungsfähigkeit und Kompromissbereitschaft. Mit der Bereitschaft, die Spannung von kreativer Auseinandersetzung und Loyalität auszuhalten. Aktiv zu gestalten. Mit weitem Herzen und großem Vertrauen.

Das ist meist viel leichter gesagt als getan. Brüche, Sprünge, ungeklärte Konflikte, schwelende Unzufriedenheit: all das ist für eine Partnerschaft wie für uns Priester eine große, fast übermenschliche Herausforderung.

Und doch: es kann gelingen! Ein modernes Hochhaus kann heutzutage starken Erdbeben widerstehen, weil es mit tragenden und zugleich flexiblen Bauelementen errichtet wurde. In der Natur erleben wir Pflanzen, die Regenfluten wie lange Trockenphasen gut überstehen. Aber längst nicht alle!

Wenn wir in diesen Wochen die Fichten sehen, die zwei trockene und heiße Sommer mit Borkenkäferbefall nicht überlebt haben, so sehe ich darin ein Bild so vieler Menschen, die mit den vielfältigen Überbelastungen nicht klar kommen. Die Brüche erfahren. Scheitern erleben. Ja und? Sie haben meinen höchsten Respekt!

Niemand hat das Recht, sich über andere zu erheben. Mit dem Finger auf sie zu zeigen. Ihnen Vorwürfe zu machen. Den Stab über sie zu zerbrechen. Allein Gott kennt unsere Herzen. Mit allen heimlichen Gedanken. Unausgesprochenen Sehnsüchten. Mit dem ungestillten Hunger nach Angenommensein. Nach Liebe.

Morgen ist das Hochfest des Heiligsten Herzen Jesu. Klingt gewaltig – und ist noch gewaltiger in seiner schlichten Aussage: Jesus weiß um unser Herz. Er ergründet es. Und er verbindet sich mit unserem Herzen. Um es zu füllen. Den Durst zu stillen. Um es zu lieben. Bedingungslos!

Ohne diese stärkende, aufbauende, ermutigende und erfüllende Liebe Gottes wäre eine lebenslang andauernde Ehe eine Zumutung. Und die priesterliche Lebensform genauso!

Jeder, der nicht beim naiven Kinderglauben stehen bleibt, weiß um die Abgründe und Abstürze in Partnerschaften: Gewalt. Demütigung. Gleichgültigkeit. Abfällige Haltungen in Sprache und Umgang. Untreue.
Und jeder weiß um die Abgründe und Abstürze auch bei Priestern: Doppelleben. Machtgehabe. Alkohol. Ersatzbefriedigungen aller Art. Ein ausgetrocknetes spirituelles Leben.

Und bevor jetzt der oft übliche Reflex kommt: Typisch! Gut, dass ich ausgetreten bin…, bitte ich drei Dinge zu bedenken:

– Jeder Mensch, auch der mit den größten Idealen, kann an der Wirklichkeit der Welt oder auch der eigenen Lebenswirklichkeit scheitern. Aber tut er das?
WIR unterstellen das. Und vergessen oft, dass Gott das genickte Rohr nicht bricht und den glimmenden Docht nicht auslöscht. Und sehen wir beim Kreuzweg nicht Jesus selbst dreimal zu Fall kommen?

– Wer sich voll und ganz in einen Menschen verliebt, lässt sich in diesem Moment (zum Glück!) nicht sagen: Lass es bleiben. Es könnte schief gehen. Du könntest enttäuscht werden. Wer jede Chance zu Freundschaft und Liebe ausschlägt, weil er immer das Misstrauen in sich trägt, wird am Ende einsam und verbittert sein. Jesus will, dass wir etwas wagen: „Folge mir nach!“ „Fahrt hinaus auf die See!“

– Und darum (damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt) bleibt jede Beziehungsgeschichte, Partnerschaft wie Priestertum, ein Abenteuer! Mit dem geliebten Menschen wie auch mit Gott. Es ist schwer, in einer rasant sich verändernden Gesellschaft und einer genau rasant Ihr Gesicht verändernden Kirche seine Berufung durchzuhalten.
Und doch gelingt es: weil Gott mit uns ist!
Mit denen, die in diesen Wochen ihr Weihejubiläum begehen. Und auch mit denen, die sich anders entschieden haben.

Für alle steht das Herz Jesu offen. Schenkt auch Ihr einander diese Offenheit. Von Herzen!

Euer Pastor Christoph Bersch

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