Heute vor 75 Jahren ist Dietrich Bonhoeffer gestorben.

Liebe Oberberger!
Liebe Freunde!

Heute vor 75 Jahren ist Dietrich Bonhoeffer gestorben. Obwohl er erst 39 Jahre alt war, hat er uns ein tiefes Erbe hinterlassen. Er war ein leidenschaftlicher Gegner der Nationalsozialisten. Ein Gegner dieses Systems von Unwahrheit und Hetze, von ideologischer Verblendung und Fanatismus. Das hat ihm am Ende das Leben gekostet, noch knapp einen Monat vor Kriegsende und dem unsäglichen Spuk eines Führerkults, dem Millionen Menschen anhingen.

Unfassbar im Blick auf die Vergangenheit, dass so etwas möglich war. Und unfassbar im Blick auf die Gegenwart, wo es wieder Millionen Wähler gibt, die heute Parteien ihre Stimme geben, die für dasselbe stehen: Unwahrheit und Hetze, ideologische Verblendung und Fanatismus.

Bonhoeffer gehörte zu denen, die aus ihrem Glauben und ihrem Gottesbild heraus einen unbestechlichen Blick für Menschlichkeit und wahre Gerechtigkeit beibehielten. In seinemDenken warnte er als evangelischer Theologe davor, Gott zu verharmlosen und zu vereinnahmen. Religion aus frommer Überbau? Als Mäntelchen? Das hatte für ihn mit dem Christentum nichts zu tun! Christ kann man nur sein mit allen Konsequenzen – oder gar nicht!

Und weil er davon überzeugt war, dass zum Christsein wirkliche Nachfolge gehört, und zwar Kreuzesnachfolge, darum konnte er nicht den Weg des Sich-irgendwie-Arrangierens, des faulen Kompromisses („ist ja nicht alles schlecht“; „man will sich ja auch keine Nachteile einhandeln“; „immerhin hat er Deutschland wieder nach vorne gebracht“ usw.) und des feigen Anpassens wählen.

Wenn den meisten von uns Dietrich Bonhoeffer vor allem als Verfasser des Liedes „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ bekannt ist, dann ist uns hier letztlich die Frucht seines ganzen Denkens und seiner Weltanschauung geschenkt. Als Gewissheit, dass diese Welt in Gottes Händen liegt, und als Überzeugung, dass sein Licht auch und gerade in die Nacht hineinscheint. Nacht in all ihren Ausprägungen von Angst und Orientierungslosigkeit, dem Sich Verirren und Nicht-weiter-wissen.

Solche Menschen mit Rückgrat braucht es auch heute! Und unsere Jetztzeit bietet eine (wenn auch unfreiwillige) Chance, bei sich selber zu schauen, wo wir oberflächlich und achtlos geblieben sind, wo wir aus Faulheit oder Stress, aus Gründen von Anbiederung oder unreflektierter Anpassung zu – mit der Sprache der Bergpredigt gesagt – schal gewordenem Salz geworden sind, das zu nichts mehr taugt.

Dietrich Bonhoeffers Beispiel ist nicht alleine geblieben. Gott sei Dank hat es zu allen Zeiten Menschen gegeben, die tiefer nachgedacht, fester geglaubt und konsequenter aus dem Glauben gelebt haben. Auch wenn es Nachteile, Ausgrenzung oder gar Bekämpfung und in letzter Konsequenz den Märtyrertod eingebracht hat. Im Widerstand gegen braune und rote Ideologien. Gegen Scharia und IS. Gegen Staatsdoktrinen in China und Nordkorea. Gegen sublime Formen von Diskriminierung und Verleumdung im eigenen Land.

Letztlich ist das Beispiel all dieser treu und unbestechlich gebliebenen Christen eine Aktualisierung dessen, woran wir heute, an Gründonnerstag, denken. Jesus selbst ist seiner Botschaft treu geblieben. „Gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz.“ Er hat sich nicht zu falschen Kompromissen zwingen lassen. Seine Leben war Hingabe für Gott und uns Menschen bis zur letzten grausamen Konsequenz des Kreuzes.

Ich wünsche uns allen die Fähigkeit, diesem Beispiel Jesu zu folgen, und seine Botschaft so ins 21.Jahrhundert zu übersetzen, wie es Dietrich Bonhoeffer ins 20.Jahrhundert getan hat. Denn nicht vom Brot allein (und erst recht nicht vom Klopapier und Nudeln) lebt der Mensch, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund. Und dieses Wort Gottes bewahrt uns vor den Versuchungen der Halbherzigkeit oder gar der Herzlosigkeit.

Lasst Euch auf die Tiefe dieser Tage, die vor uns liegen, ein!
Da, wo Ihr die „oberbergischen Ostern“ bekommen habt, findet Ihr Impulse dazu. Und feiert die Gottesdienste am Fernseher oder Computer mit. Betet zu Hause. Und vergesst nicht die Menschen, die sich über einen Anruf und ein gutes Wort von Euch freuen!

Euer Pastor Christoph Bersch

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