Heute ist schon der dritte Sonntag, an dem wir uns nicht in unseren Kirchen versammeln können.

Liebe Gemeinden!
Liebe Freunde!

Heute ist schon der dritte Sonntag, an dem wir uns nicht in unseren Kirchen versammeln können. Wo wir keine gemeinsamen Lieder singen. Wo uns Gottes Wort nicht in der Gemeinde verkündigt wird. Wo wir eucharistisch fasten müssen, das heißt nicht die Heilige Kommunion empfangen können.

Und es wird noch mindestens drei weitere Sonntage so bleiben:
– Palmsonntag mit dem feierlichen Empfang Jesu in Jerusalem: „Hosanna in der Höhe“. Und der Leidensgeschichte nach Matthäus: „Kreuzige ihn!“
– Dann das Mitgehen Jesu durch Leiden und Sterben in der Karwoche und DEM Sonntag schlechthin: Ostern. „Darum kommen wir vor Dein Angesicht und feiern in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche den ersten Tag der Woche als den Tag, an dem Christus von den Toten erstanden ist“, wie es jeden Sonntag im Hochgebet heißt.
– Und schließlich der Sonntag nach Ostern, der „Weiße Sonntag“, der „Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit“ und in vielen Gemeinden, auch bei uns, der oder ein Erstkommunionsonntag.

Alles nicht. Keine Gottesdienste. Kein Singen und Beten, kein Feiern in sichtbarer Gemeinschaft. Das wird den meisten von Euch fehlen. Mir fehlt es sehr! Aber das kennt Ihr auch: den schmerzlichen Verzicht auf die Begegnung mit geliebten Menschen.

Und wieder kommt uns Gottes Wort zu Hilfe, das uns an diesem 5.Fastensonntsg geschenkt ist. Johannes 11. Lazarus. Tot. Er war noch ein junger Mann. Ein Freund Jesu. Beliebt, denn viele waren zu seinen beiden Schwestern gekommen, um sie zu trösten. Einer aber fehlte. Und sie hätten ihn jetzt so gebraucht! Warum kommt Jesus nicht?

Geschlagene vier Tage lässt er auf sich warten. Längst ist Lazarus begraben angesichts der Hitze im Land. Lähmendes Entsetzen, Fassungslosigkeit, Ohnmacht – die Gefühle der Menschen in Bethanien sind greifbar, als Jesus endlich eintrifft.

„Herr, wenn du hier gewesen wärst, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“ In diesen Worten von Martha, der Schwester des Lazarus, klingt Vertrauen und Vertrautheit durch, vor allem aber Resignation. „Wäre“ – jetzt ist es zu spät. Vorbei. Martha fasst zusammen, was wir Menschen in der Konfrontation mit dem Tod erleben: Hilflosigkeit. Und das Gefühl, dass jetzt alles zu spät ist. Jesus hätte sicher noch etwas machen können. Aber als es drauf ankam, war er nicht da. Hätte. Wäre. Aus.

Was macht Jesus, als er vom Tod seines Freundes erfährt? Er ist innerlich erregt und erschüttert. Es lässt ihn nicht kalt. Er geht nicht über die Gefühle der Trauernden hinweg. Und auch nicht über seine Eigenen. Er unterdrückt sie nicht, lässt sie zu. Er weint!

Glauben wir nicht, dass es Jesus egal ist, wenn Menschen ängstlich und schockiert, hilflos und voller Trauer sind. Alles finden wir bei Jesus wieder. Hier bei seinem toten Freund Lazarus, später in seinem eigenen Sterben. Martha macht es richtig: Sie öffnet dem Freund ihr Herz, offenbart ihm ihre Gefühle, sucht das Gespräch und bleibt nicht beim Vorwurf stehen. Ihr Vertrauen ist größer als das Leid: „Auch jetzt glaube ich: Alles, was du von Gott erbittest, wird er dir geben“ Wenn auch wir das glauben in diesen Krisenzeiten! Gott kann es wenden. Er lädt ein, dass ich mich öffne. Ihm zu sagen, wie es mir geht. Was mir fehlt. Im Vertrauen einer Martha, dass er geben wird, was wir selbst uns nicht geben können.

Und jetzt kommt der Höhepunkt des Gesprächs: Das, was Gott gibt, ist längst da. Denn es ist Jesus selbst. Sein Sohn. Er offenbart sich der trauernden Martha: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Jesus ist die Gabe Gottes an uns. Die Hoffnung in Trauer und Resignation. Der Halt in Ängsten. Die Macht der Liebe in der Ohnmacht der Bedrohung durch Krankheit und Tod.

Hier in Bethanien zeigt Jesus, dass seine Aussage nicht nur ein Spruch ist. Er zeigt an Lazarus, dass er wirklich DIE Auferstehung ist, indem er ihn zum Leben erweckt. Nicht sofort, denn vorher waren ja die vier Tage Trauer und Erschütterung. Wie später, als Jesus selbst stirbt: Zunächst Trauer, Fassungslosigkeit und Nicht-meht-weiter-wissen. Erst am dritten Tag die Erfahrung: Jesus ist auferstanden. Die Begegnung der Jünger mit IHM, nicht nur einmal, weil sie immer noch fassungslos sind und es erst allmählich fassen: Gott hat alles gedreht. Statt Tod Leben. Statt Verzweiflung Hoffnung. Statt Ende Neuanfang.

Zur Zeit ist uns die Ohnmacht zugemutet angesichts des Corona-Virus. Wir würden gerne so Vieles machen und können es nicht, ja dürfen es nicht, weil wir zur tödlichen Gefahr für andere werden können. Noch sind wir wie Lazarus gleichsam gefangen wie in einer Grabhöhle. Es wird noch dauern, bis wir das „Komm heraus“ hören. Doch es hilft zu wissen, dass es ein Ende der Corona-Epidemie geben wird und dann auch einen Neuanfang.
Wenn Menschen sterben, ob an dieser Krankheit oder an anderen Ursachen, bleiben Erschütterung und Tränen. Aber dann wird auch ein Neuanfang durch Gott geschaffen! „Dein Bruder wird auferstehen.“ – Alle unsere Schwestern und Brüder in der großen Menschheitsfamilie werden auferstehen. Vertrauen wir sie Jesus an – so wie damals Martha.

Ich wünsche Euch allen einen guten Sonntag. Haltet zusammen! Tröstet und ermutigt einander! Überlegt, wem ihr eine Freude machen könnt! In den kleinen Dingen. Durch einen Schokoladenpudding. Oder einen Kniffel. Einen Anruf. Das Gebet für einen Menschen. Gottes Herz steht Euch allen offen.

Und ich denke gleich bei der Messe an Euch alle. Eure Freunde. Eure Kranken. Alle Toten.

Euer Pastor Christoph Bersch

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