Heute in zwei Wochen ist Karfreitag.

Liebe Gemeindemitglieder!
Liebe Freunde!

Heute in zwei Wochen ist Karfreitag. Es hat mich die letzten Jahre immer betrübt, wenn an diesem Tag die Gottesdienste so wenig mitgefeiert wurden. Vielleicht insgesamt 500 bei einer Katholikenzahl von 23000 in unserem Sendungsraum. Beliebter als der Gottesdienst war meist die Ferienfahrt oder der Tagesausflug. Die Todesstunde Jesu hat bei vielen keinen Platz im Kalender.

Die katholische Liturgie des Karfreitags ist herb. Keine Glocken, keine Orgel. Stiller Einzug um 15 Uhr, der „neunten Stunde“, der Todesstunde am Kreuz. Priester und Messdiener werfen sich langgestreckt auf den Boden und bleiben mehr als eine Minute so ausgestreckt liegen.
Was hat Jesus für uns da getan?! Gott ist tot – in diesem Moment wird das Nietzsche-Wort Realität. Gott stirbt in seinem Sohn den Tod des Menschen. Kann man sich eine größere Nähe Gottes zu den Menschen im Angesicht eigener Leid- und Todeserfahrung vorstellen?

Mir bedeutet der Karfreitag unendlich viel: der Gottesdienst mit dem erwähnten Ausstrecken , der sogenannten Prostratio, dem Hören u.a. der Johannespassion, den Großen Fürbitten, der Kreuzverehrung und – als Frucht dieser Kreuzeshingabe – dem Empfang der Heiligen Kommunion. Stiller Auszug – Ende.

Auch dieser eindrücklich herb-spröde Gottesdienst, der mir so wichtig ist, da er mir die Augen dafür öffnet, dass ich keinen reinen „Schönwetterglauben“ habe und dass alles Entscheidende Gott getan hat, ist in diesem Jahr nicht möglich. Fasten ist angesagt, anders und mehr als sonst. Aber ich lade Euch schon jetzt ein: Geht nicht einfach Euren Alltagsdingen nach. Nehmt Euch Zeit für IHN.

Beispiel Kreuzweg: Den könnt Ihr auch zu Hause oder für Euch in eine unserer vielen offenen Kirchen beten. Er ist im Gotteslob. Auch im Internet finden sich schöne Texte. Geht mit Jesus seinen Leidensweg, und nehmt die Leidenden von heute mit!

Beispiel Johannespassion: Lest Sie zu Hause. Allein oder in Eurer Familie. Verweilt, wo Ihr innerlich berührt werdet. Es ist kein Schnell-mal-drüberfliegen-Text. Er geht in die Tiefe, wie ein Trinkwasserbrunnen in der Wüste.

Beispiel Fasten: An diesem einen Tag bewusst nichts oder nur wenig zu essen – so wie es von der eigenen Gesundheit her möglich ist -, ist auch ein spürbares Zeichen, Jesus nahe sein zu wollen. Er ruft am Kreuz „Mich dürstet“. Und es ist weit mehr als der Schwamm mit bitterem Essig, der ihm gereicht wird. Ihn dürstet nach uns, nach Euch und nach mir, nach unseren Herzen, für die er sein eigenes Herz hat öffnen lassen durch die Lanze des Soldaten.

Wen dürstet heute? Nach Beistand im Alleinsein. Nach Trost in Trauer oder Sorge. Nach einem guten Wort, wo viele Alleinlebende ohne nahe Menschen im Schweigen verharren müssen. Und Jesus dürstet nach wie vor nach unseren Herzen. Er will sie füllen mit seiner Liebe. Er kann es, und er macht es. So wie damals bei dem Mit-Gekreuzigtem, für den wir noch das ansonsten ausgestorbene Wort „Schächer“ verwenden: „Heute noch wirst du bei mir im Paradies sein.“

Im schrecklichsten Geschehen vom Paradies zu sprechen: das kann sich nur der herausnehmen, der selbst am meisten leidet. Denn von jedem anderen wäre das anmaßend und zynisch gewesen. Genau dieser so schrecklich Leidende und Sterbende wird zum Schlüssel für eine unendliche Zukunft. Bei IHM!

Mit dieser kraftvollen Hoffnung, die schon im Karfreitag zu entdecken ist, wünsche ich Euch einen trost- und segensvollen Tag!

Euer Pastor Christoph Bersch

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