Gestern, am 14.Mai, war der Gedenktag der Heiligen Corona. Ehrlich gesagt hatte ich von dieser Heiligen bis Anfang diesen Jahres noch nichts gehört. Gut erfunden?

Liebe Freunde!

Ich hätte es nicht gewusst. Aber es gibt ja zum Glück pfiffigere Menschen als mich. Gestern, am 14.Mai, war der Gedenktag der Heiligen Corona. Ehrlich gesagt hatte ich von dieser Heiligen bis Anfang diesen Jahres noch nichts gehört. Gut erfunden? Aus irgendeiner obskuren Ecke ausgegraben? Keineswegs! Mein „Lexikon der Namen und Heiligen“, noch ohne „www.“, sondern als gutes altes Buch aus dem Jahr 1984 (da begann ich mein Theologiestudium) widmet ihr eine ganze Spalte.

Also dachte ich mir, dass ich mit Euch zusammen auf „Brautschau“ gehe und wir uns diese Heilige gemeinsam anschauen. Ich zitiere mal gleich aus meinem schlauen Heiligenbuch: „Über Corona gibt es eine reiche Legende. Danach soll sie, 16 Jahre alt und verheiratet, bei der Hinrichtung eines hl. Victor unter Kaiser Antoninus (138-161) selbst verurteilt worden sein. Als Ort wird bald Ägypten, bald Syrien genannt. Man habe zwei Palmen zusammengebunden und sie an deren Spitzen gehängt. Bei deren Zurückschnellen sei sie zerrisssen worden.“

Da schaudert es einen! Was mag der Kern der Legende sein? Die Person wird auf jeden Fall historisch sein. Und als Christin hatte sie im römischen Reich des 2.Jahrhunderts das „falsche Parteibuch“. Denn der Kaiser beanspruchte göttliche Verehrung. Für gläubige Christen ein No-Go. Gott allein gebührte Anbetung! Manche Kaiser waren etwas toleranter, andere hatten hunderte Christen auf dem Gewissen. Und wer weiß, wie die Römer mit Jesus umgegangen sind, kann sich vorstellen, dass es damals keinen „humanen Strafvollzug“ gab. Es gab noch keine „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“. Folter und grausame Todesstrafen, um Nachahmer/-innen abzuschrecken, waren an der Tagesordnung. Zum Teil sogar als makabre Unterhaltung, als Programm bei „Brot und Spielen“, wie wir es heute noch bei einer Führung durch das Kolosseum erfahren.

Im Letzten wissen wir nicht, was bei Coronas Leben legendäre Ausschmückung ist – so wie wir selbst manchmal ja in der Wiedergabe einer Erzählung etwas dramatischer ausholen, eine Situation noch wuchtiger beschreiben, so dass andere an unseren Lippen kleben und den Atem anhalten (nach dem Motto: „und das hast Du überlebt?“)

Für Corona können wir ein zweites Faktum festhalten: neben der historischen Existenz ist es mit hoher Sicherheit ihr Märtyrertod, wie immer er im Detail ausgesehen haben mag. Und hier kommt der Name ins Spiel: Corona = Krone, Kranz. „…der im Himmel gekrönt worden ist“, lautet das letzte Gesätz aus den Rosenkranzgeheimnissen über Maria, und in der Tat weist es auf die letzte Berufung von uns Christen hin:
von Gott den Kranz, die Krone des Sieges zu erlangen: das ewige Leben.

So wie bei einer Siegerehrung nach einem kräfteraubenden, knüppelharten Wettkampf. Das ist nicht alleine Maria vorbehalten, sondern allen bestimmt, die Gott die Treue halten, ob unter den dramatischen Umständen zweier vermeintlich oder tatsächlich auseinanderschnellenden Palmen, die einen Menschen zerreißen, oder in der lebenslangen, unspektakulären und wenig aufsehenerregenden Treue von Menschen, die es zeit ihres Lebens nie in eine Fernsehsendung, dafür aber in das Reich Gottes schaffen werden.

An zwei Orten werden Reliquien der Heiligen Corona besonders verehrt: im Aachener Dom und im Prager Dom. In einigen Internet-Heiligenlinks wird darauf verwiesen, dass Corona die Patronin bei Seuchen ist. Davon wusste das Heiligenlexikon in den 80er Jahren noch nichts: allerdings ist sie hier Patronin der Fleischer (und damit sind wir angesichts der Corona-Fälle bei „Westfleisch“ in Coesfeld dann doch bei Seuchen…); außerdem der Schatzgräber und in Geldangelegenheiten (Wir erinnern uns, dass „Krone“ ein altösterreichisches Geldstück ist und heute noch in manchen Ländern die Währung bezeichnet: Dänemark, Schweden, Norwegen, Island, Tschechien).

Ich liebe Heilige! Sie zeigen, wie bunt und lebendig der Himmel ist. Teenager und Hochbetagte, Päpste und Pförtner, Inder, Afrikaner, Bayern und Rheinländer, Märtyrer aus Uganda, Japan oder Korea, Eisheilige – und Corona! Ohne die ganze Vielfalt und Vielzahl der Menschen, die durch Gott vollendet wurden, würde dem Reich Gottes etwas fehlen. Ohne UNS würde ihm etwas fehlen. Weil Gott will, dass alle Menschen gerettet werden! Weil in den himmlischen Wohnungen Platz ist für alle. Ich hoffe, Ihr wollt auch! Die Zeit bis dahin bleibt der Himmel ein Ort der Sehnsucht: nach Geborgenheit, nach Frieden, nach Ruhe. In einer Welt, die das allzu oft nicht bieten kann.. Das berühmte Wort des Hl. Augustinus aus seinen „Bekenntnissen“ trifft es: Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.

Die Heiligen haben diesen Ort der Ruhe bereits erreicht. Oft nach vielen Strapazen und Qualen. Im Leben wie im Sterben. Corona als Krankheit ist eine der Strapazen, der Bedrohungen des Lebens. Corona als Heilige und damit bei Gott Vollendete,lässt uns erkennen, dass unser Leben das große Darüber-HInaus kennt. Jeder von uns sehnt sich schon heute nach „der Zeit danach“ – wann immer sie auch kommen mag. Unbeschwertes Beisammensitzen, eine Umarmung, Feste feiern in spürbarer Gemeinschaft. Das Datum dafür kennen wir heute noch nicht, wo all das möglich sein wird. Die Vorfreude darauf macht es uns leichter, den Verzicht zu ertragen.

Genauso wünsche ich Euch und mir selbst die Vorfreude auf den Himmel. Und mal sehen, was uns die Heilige Corona dort erzählen wird, was sie ihrem Leben wirklich erlebt hat. Ich bin schon jetzt darauf gespannt!

Euer Pastor Christoph Bersch

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