„Et jitt kei Wood, dat sage künnt Wat ich föhl, wann ich an Kölle denk…“ Dieses Lied von

Liebe Gemeinden von Oberberg Mitte!Liebe Freunde!

„Et jitt kei Wood, dat sage künnt
Wat ich föhl, wann ich an Kölle denk…“
Dieses Lied von Cat Ballou singt jeder karnevalsbegeisterte Kölsche kräftig mit. Köln, so heißt es hier, ist nicht mit Worten zu beschreiben. Es ist ‚e Jeföhl‘, wie es in einem anderen Lied der Höhner heißt: ein Lebensgefühl.

Ein wenig abgewandelt könnte man sagen:
Et jitt ei Wood, dat sage künnt
Wat ich föhl, wann ich an Ostern denk…
Und dieses eine Wort bleibt unübersetzt, wird in allen Sprachen und Nationen, auf jedem Land der Erde gesungen, gerade in diesen Tagen: HALLELUJA!!!

Ob Händel, Cohen oder Brings: kein anderer Gesang bringt die Freude, den Jubel, das Gefühl für Ostern so zum Erklingen wie das HALLELUJA.

Als ich vor Jahren in China war, habe ich es laut von der Chinesischen Mauer herabgesungen. Im letzten Jahr erklang es bei einem wunderschönen Chorkonzert in Kampala in Uganda, zu dem wir eingeladen waren. Es war zwar noch der 5.Fastensonntag, aber man muss es ja nicht so eng sehen…

Das HALLELUJA ist Bestandteil der schönsten Kirchenlieder. „Das Grab ist leer.“ „Christ ist erstanden.“ „Der Geist des Herrn.“ „Wahrer Gott.“ „Erschalle laut, Triumphgesang.“ Zweimal durfte ich in der Osterwoche in Taizé sein, wo wir mit tausenden Jugendlichen das HALLELUJA gesungen haben. Jeder konnte es mitsingen. Herkunft und Heimatsprache spielten keine Rolle. Hier waren wir alle eins! Im Bekenntnis der Auferstehung. In der Freude über die Auferstehung.

Im letzten Jahr war das Motto im Kölner Karneval: ‚Uns Sproch es Heimat‘. Viele von uns haben einen Heimatdialekt, an dem man uns erkennt. Eine Sprachfärbung. Erkennt man an uns auch ein wenig die christliche Sprachfärbung? Das Leben aus einer Hoffnungsbotschaft? Aus der Überzeugung, dass aller „Scheiß“ im Leben (entschuldigt die drastische Ausdrucksweise) nicht nur einer angemessenen Menge an Klopapier bedarf, sondern vor allem eines Helfers, der uns aus all dem existenziell herausholen kann.

Das ist Ostern geschehen. Die Karre, die wir Menschen durch eigene Schuld so sehr in den Dreck gefahren haben, dass niemand von uns sie je wieder hätte rausbringen können, wurde von Gott wieder ans Laufen gebracht. Der weggerollte Stein am Eingang des Grabes steht für den, der das Leben neu ins Rollen gebracht hat – über den Tod hinaus. HALLELUJA!

„Von der Erde bist du genommen, und zur Erde kehrst du zurück.“ – Dieser an den Gräbern so oft gesprochene Satz heißt nicht, dass hier Schluss ist mit allem. Es bedeutet vor allem, die Erde als Ort neuen Lebens (gerade jetzt im Frühling) zu erkennen, wo das dort Hineingesäte keimt und aufblüht.

Das ist in unserer Taufe geschehen: Gott hat uns in seine Familie hineingenommen. Wir sind Kinder Gottes geworden. Seine Töchter. Seine Söhne. Er hat den Samen seiner Liebe in uns hineingelegt. Ein Leben, das sich seitdem entfaltet hat. Und das nicht einfach stirbt, sondern weiterlebt. In der Fülle Gottes. HALLELUJA!

Augustinus hat einmal über das „HALLELUJA“ eine Osterpredigt gehalten. HALLELUJA = LOBET DEN HERRN! Er lädt ein, den Herrn zu loben mit dem Leben und mit der Zunge, mit Herz und Mund, in Wort und Tat. „Denn wir müssen Gott – nach seinem Willen – das Halleluja so singen, dass es nicht im Widerspruch zu dem steht, der das Lob singt.“

In Tolkiens „Der Herr der Ringe“ gibt es eine Figur mit dem bezeichnenden Namen „Schlangenzunge“. Er redet den Leuten nach dem Mund. Er schleimt ihnen etwas vor. Er betört und betrügt die Menschen, damit sie ihm auf den Leim gehen und sich letztlich der bösen Macht hingeben. – Genauso darf es nicht sein. Und bei uns Christen am allerwenigsten!

Ich kann nicht in der Kirche (oder wo auch immer) Halleluja singen, und in meiner Familie ist nichts davon zu spüren. Nochmal Augustinus: „Darum soll zuerst in uns selbst die Zunge mit dem Leben und der Mund mit dem Gewissen übereinstimmen.“

Gleichzeitig lädt er uns ein, das Halleluja auch trotz aller Sorgen und in allen Sorgen zu singen. Ich kenne das von der großen Fußwallfahrt nach Werl, an der ich fast jedes Jahr teilnehme. „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh mit mancherlei Beschwerden…“ – dieses Lied singen wir immer am späten Nachmittag, nach 35 oder 40 km Wegstrecke, kurz vor der Ankunft. Die Beschwerden sind real: Müdigkeit, Blasen, Blessuren. Das letzte gemeinsame Lied vor Erreichen des jeweiligen Tagesziels ist dann „Großer Gott, wir loben dich.“ Trotz aller Mühen eines langen anstrengenden Weges als Symbol eines oft schweren und leidgeprüften Lebens steht am Ende das Lob Gottes, das Preisen SEINER Stärke.

Das HALLELUJA macht Mut. Ich werde mein Ziel erreichen. Und selbst wenn ich müde und mutlos bin, geht Jesus doch mit uns. Manchmal unerkannt, wie bei den Emmaus-Jüngern. Denen er den Weg nicht abnimmt. Sie müssen die kompletten „sechzig Stadien“ gehen. Aber er lässt sie nicht allein. Und er versucht, Ihnen schon unterwegs die Augen zu öffnen „für das Verständnis der Schrift“, wie es bei Lukas heißt. Die Heilige Schrift: ein Buch des Weges. Ein Buch, das unsere Erfahrungen deutet und die Kraft schenkt, das Ziel weiter zu verfolgen. Auch wenn wir dabei die Zähne zusammen beißen müssen. Hinken. Humpeln. Oder uns gleichsam von anderen tragen lassen. Dieses Ziel sind die offenen Arme Gottes.

So drückt es Augustinus aus: „Heute lasst uns singen, nicht um uns der Ruhe zu erfreuen, sondern um in der Drangsal Trost zu finden. So wie Wanderer zu singen pflegen… Singe und schreite aus! Mach Fortschritte im Guten! Singe und wandere! Geh nicht in die Irre, kehre nicht um, bleib nicht zurück!“

Lass wir uns nicht beirren! Weder von Corona noch von Zweifeln. Weder von einem Klima oberflächlicher Gottferne noch von der Wucht markerschütternder Schicksalsschläge.
Den Emmaus-Jüngern gingen am Ende die Augen auf. Als sie ihr Ziel erreicht hatten. Damit es uns auch so geht, lade ich Euch ein, es ihnen gleich zu tun und Jesus zu bitten:
„Herr bleibe bei uns!“ Gerade dann, wenn es Abend wird, wenn „der Tag“ sich neigt.

Euch einen österlich-hoffnungsvollen Ostermontag und eine vom HALLELUJA geprägte 50-tägige Osterzeit – an deren Ende das Geschenk des Pfingstfestes steht: das Kommen des Geistes Gottes, mit dem er selbst das Angesicht der Erde erneuern wird.

Euer Pastor Christoph Bersch

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