Diesen Sonntag habe ich als etwas ganz Besonderes empfunden: ich habe nicht nur zwei Messfeiern mit Gemeindemitgliedern feiern dürfen

Liebe Freunde!

Diesen Sonntag habe ich als etwas ganz Besonderes empfunden: ich habe nicht nur zwei Messfeiern mit Gemeindemitgliedern feiern dürfen – über die YouTube-Übertragungen hinaus -, sondern konnte heute nachmittag auch das erste Kind nach über zwei Monaten taufen. Wunderbar!

Wir Christen können Corona nicht wegbeten, nicht weg-verschwören, nicht wegignorieren. Das Covid-19-Virus war eine große Gefahr. Es ist eine große Gefahr. Und es wird eine große Gefahr bleiben, wenn wir unvorsichtig, leichtsinnig, unklug sind. „Klug wie die Schlangen“ – das ist ein Ratschlag, den Jesus uns gibt. Auch „arglos wie die Tauben“: das heißt aber nicht, sich blind in Todesgefahr zu begeben, sondern in allem das Vertrauen in Gott nicht zu verlieren.

Und da sind wir an einem Herzstück der heutigen Verkündigung. „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich!“ Mit diesem Jesus-Wort beginnt das Sonntagsevangelium. Gerade die heutige Taufe von Alina Marie hat mich neu daran erinnert: Wir leben aus dem Vertrauen! Eltern können ihren Kindern nichts Schöneres schenken als die Gewissheit: Bei uns bist du gut aufgehoben. Wir stehen auf deiner Seite. Wir beschützen dich. Wir geben alles für dich. Du bist das Kostbarste, was wir haben. Egal, was kommt: du bleibst unser geliebtes Kind!

So macht es Gott. Bei jeder Taufe. Dem Sakrament, in dem wir Kinder Gottes werden. Eingetaucht in seine Liebe. In sein unbedingtes Ja. In seine Zusage: Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. Das fließende, lebendige Wasser drückt aus, wie lebenspendend, lebenschenkend Gott ist. Gerade weil menschliches Leben immer auch bedrohtes Leben ist – von Krankheiten wie Corona, von Menschen mit bösen Absichten, von Unfällen, von Klimawandel in der Natur wie in den zwischenmenschlichen Beziehungen -, ist das große JA Gottes zu uns so eminent wichtig. Und daher ist jeder neue Erdenbürger ebenso, ja vor allem SEIN geliebtes Kind!

Die Taufe hat aber nicht nur diesen individuellen und persönlichen Aspekt: Ich bin ein Kind Gottes. Oder: Alina Marie hat SEINE bleibende Zusage für ihr Leben bekommen. Das ist richtig, aber nur die Hälfte dessen, was uns mit der Taufe geschenkt wird. Denn die Taufe ist auch Eingliederung in die Gemeinde, in die konkrete Glaubens- und Bekenntnisgemeinschaft vor Ort. Und sie ist Eingliederung in die Kirche und macht uns damit zu Glaubensgeschwistern mit allen Getauften der ganzen Welt.

Und das kann man kaum schöner sagen, als es der 1.Petrusbrief tut, den wir heute als zweite Lesung hören konnten: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde.“ Was für Ehrentitel!
Nicht für den Papst oder die Bischöfe, nicht für die Geweihten, sondern für die Getauften! Sie alle (!) sind eine königliche Priesterschaft. Unabhängig davon, dass es das Weihepriestertum gibt: die Erwählung zur Gemeinschaft mit Gott, zum aus allen Völkern der Welt auserwählten EINEN Volk Gottes gilt allen Getauften! Säuglingen, Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und den Ältesten unter uns.

Keiner ist zu jung und müsste sich dieses Geschenk Gottes erst verdienen. Und keiner ist zu alt (wie die Spiele mit der Altersangabe „10 – 99“). Selbst wenn der Verstand nachlässt oder Menschen bei fortschreitender Demenz ganz verlässt: die Zugehörigkeit zum Volk Gottes bleibt. Denn zum „heiligen Stamm“ gehören wir nicht, weil wir heilig sind (dass es damit nicht weit her ist, auch nicht bei geweihten Diakonen, Priestern, Bischöfen, wissen wir heutzutage mehr denn je), sondern weil ER heilig ist. Weil wir der Umkehr, der Reinigung, der Initiative Gottes, seiner Gnade bedürfen – und weil uns genau dies in der Taufe geschenkt wird.

„Gemeinschaft der Heiligen“ sind wir, weil sich der Heilige schlechthin, Gott selbst, für uns entschieden hat. Weil er nicht will, dass wir dauernd neue Grüppchen gründen, sondern im Gegenteil: zur Einheit finden! „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater, der über allem und durch alles und in allem ist“, wie es der Epheserbrief prägnant formuliert.

Ich bin allen Eltern dankbar, die es Gott ermöglichen, sich schon ganz früh für ihre Kinder zu entscheiden. Die damit ein Zeichen setzen für das Vertrauen in Gott, für das konkrete Leben in seiner Gemeinschaft, für den großen Segen, der für die ganze Familie damit verbunden ist.

Besser als das Osterlied „Das ist der Tag, den Gott gemacht“, kann ich es nicht ausdrücken:

„Wir sind getauft auf Christi Tod und auferweckt mit ihm zu Gott. Uns ist geschenkt sein Heilger Geist. Ein Leben, das kein Tod entreißt.
Wir schauen auf zu Jesus Christ, zu ihm, der unsre Hoffnung ist. Wir sind die Glieder, er das Haupt. Erlöst ist, wer an Christus glaubt.“

Möge dieses Grundvertrauen in Christus wieder stärker werden. Uns Anker sein in diesen unruhigen Zeiten. Alinas Eltern haben sich für diesen Weg des Gottvertrauens entschieden. Mit den Paten und der ganzen Familie. Wenn das kein Grund zur Freude und Dankbarkeit ist!

Eine gesegnete neue Woche wünscht Euch von Herzen

Euer Pastor Christoph Bersch

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