Der Schock gestern war groß! Am Mittag brach ein Feuer auf dem „Hömericher Kopf“ aus. Wenige hundert

Liebe Freunde!

Der Schock gestern war groß! Am Mittag brach ein Feuer auf dem „Hömericher Kopf“ aus. Wenige hundert Meter von unserer Kirche St. Klemens in Gummersbach-Steinenbrück entfernt. Und auch nur wenige hundert Meter von vielen Häusern in Gummeroth und Strombach, Steinenbrück und Wasserfuhr. Es war einer der größten Waldbrände seit Jahrzehnten im Oberbergischen. Flammen und Rauch waren kilometerweit zu sehen. Hunderte von Feuerwehrleuten standen im Einsatz.

Einsatzleiter Detlef Hayer schilderte die Lage so: Als um kurz nach 13 Uhr die ersten Feuerwehreinsatzkräfte in Strombach eintrafen, hatte es lediglich auf 300 qm gebrannt. „Dann, als wäre ein Tanklastzug explodiert, schossen die Flammen bis zu 30 Meter hoch. Das Feuer kam auf uns zu, wir sind nur noch gelaufen.“ Heftige Winde, die immer wieder drehten, machten die Löscharbeiten zu einem gefährlichen Akt.

Die Brände sind zwar unter Kontrolle, aber auch jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, noch nicht vollständig gelöscht. Neue, wenn auch kleinere Brände sind hinzugekommen: In Lieberhausen/Oberrengse/Neuhausen, in Reichshof-Drespe (Gebiete in unserem Seelsorgebereich Oberberg-Mitte), und seit heute morgen im angrenzenden Kreis Olpe in Wenden-Rothemühle.

Die Ursache ist noch nicht geklärt. Eine Zigarette? Eine Scherbe in der Sonne? Oder vorsätzliche Brandstiftung? Wie vor eineinhalb Jahren beim Brand der Orgel unserer Gummersbacher katholischen Hauptkirche St. Franziskus?
Die Besorgnis wächst: denn auch in den nächsten Tagen ist kein Regen in Sicht. Die Wälder sind extrem trocken. Was kommt noch alles auf uns zu?

Gemäß dem gestrigen Gedanken „SEIN Wort uns Kompass ist“ habe ich mich gefragt, wie wir als Christen die aktuelle Situation deuten können? Was bedeuten die Phänomene, die wir in diesen Wochen erleben – Corona, Trockenheit, Brände, Existenzängste… – für uns?

Zunächst möchte ich an eine der großen Grundhaltungen der Heiligen Schrift erinnern: Die Dankbarkeit! Im Alten wie im Neuen Testament gibt es zahlreiche Dankgebete. Aber auch den Dank im Alltag. Denken wir an Elija, der bei der armen Witwe von Sarepta Aufnahme gefunden hat, obwohl sie selbst nicht einmal das Nötigste zum essen für sich und ihren Sohn besaß. Oder die Gastfreundschaft des Abraham, als drei fremde Männer zu Besuch kamen – und im Nachhinein zeigte sich, dass ihn Gott selbst besucht hatte.

Und Jesus selbst zeigt immer wieder Dankbarkeit, ebenso Paulus und alle, die in den ersten Jahrzehnten die Botschaft Jesu verkündet und angenommen haben. Trotz aller Widerstände, Ablehnung, Vorbehalte und entgegengebrachter Feindschaft, damals wie heute: wir haben allen Grund zu danken!

Ich denke vor allem an die Feuerwehrleute, die für die Bewohner der gefährdeten Gummersbacher Stadtteile ein hohes Risiko eingegangen sind, als sie sich den Flammen mit den zur Verfügung stehenden Mitteln gleichsam entgegengestellt haben. Die bis zur äußersten Erschöpfung in Hitze und mit schwerem Gerät die Löscharbeiten vorangetrieben haben. Und viele hatten schon einen beruflichen Arbeitstag hinter sich, weil die meisten Feuerwehren freiwillige sind. Beiden Gruppen, den Berufsfeuerwehrkräften wie den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr und anderer Hilfsdienste, sei von Herzen Dank gesagt.

Die Feuerwehrleute zeigen uns eine Haltung, die wir in der Gesellschaft insgesamt brauchen: Hilfe ohne Wenn und Aber! Sie fragen nicht: „Hat das nicht bis nächste Woche Zeit?“ Oder „Lohnt sich das überhaupt?“ Oder „Ich kenne die Leute in dem bedrohten Haus doch gar nicht.“
Sie handeln wie der Barmherzige Samariter: Alles bleibt liegen. Nichts ist in diesem Moment wichtiger als die Gefahr, die von einem Brand ausgeht. Oder wenn ein schwerer Verkehrsunfall geschieht.

Oft bietet sich den Feuerwehr- und Rettungsdiensten ein schreckliches Bild. Das Gefühl von Überforderung. Die Angst, etwas falsch zu machen oder der Aufgabe nicht zu genügen. Viele haben eine sehr gute Ausbildung. Machen regelmäßige Übungen. Aber im Falle des Falles steht man oft vor neuen Situationen, die so keiner absehen konnte. Sich darauf einzulassen: da habe ich allergrößten Respekt.

Manchmal fragen wir uns vielleicht nach der Rolle Gottes. Wir beten doch: Unser tägliches Brot gib uns heute. Und doch gibt es Hunger. Weltweit. Millionenfach. Wir hören von Jesus: Meinen Frieden gebe ich euch: Und doch gibt es Krieg, Hass und Streit im Kleinen wie im Großen. Wir kennen die Worte Jesus: Seid gewiss. Ich bin bei euch. Und fühlen uns doch oft schrecklich alleine gelassen, wenn wir akute Not erfahren.

Jesus will uns keinen Sand in die Augen streuen. Er lehrt uns nicht nur im „Vater unser“, um das tägliche Brot zu bitten. Er sagt seinen Jüngern auch: „Gebt ihr ihnen zu essen.“ Die Jünger kratzen zusammen, was sie haben: Es sind gerade mal fünf Brote und zwei Fische. Aber damit ist der Grund gelegt, dass am Ende 5000 Menschen satt werden.

Wenn wir anfangen, das vielleicht Wenige einzusetzen, dann kann daraus Großes entstehen. Der Barmherzige Samariter hat keine große Hilfsorganisation gegründet. Aber er hat dem EINEN geholfen und ihm das Leben gerettet. Und wurde dadurch zum Vorbild bis zum heutigen Tag. Mutter Teresa, der ich während meiner Studienzeit in Bonn einmal begegnet bin, war eine kleine, geradezu zerbrechliche Frau. Damals schon mit zerfurchtem Gesicht, von den Lasten der jahrzehntelangen Arbeit gezeichnet. Aber sie hat ihre begrenzte Kraft, ihr von Gott gegebenes Talent eingesetzt – und sehr viel Segen in die Welt, gerade bei den Ärmsten der Armen, in Kalkutta/Indien und später an vielen anderen Orten gebracht.

Feuerwehr und Rettungsdienste fragen nicht am Anfang: Wo ist Gott? Oder: Muss das jetzt sein? Sie tun, was sie tun können, und dadurch, dass sie und viele andere Menschen so denken und dann auch konkret handeln, geschieht ein Netzwerk der Hilfe. Leider gibt es nicht wenige, die mit Gott umgehen wie mit einem Taxiunternehmen. Sie rufen an, fordern einen Wagen – und kommt der Wagen dorthin, ist niemand da. Sind wir eigentlich da, wenn Gott an unserer Türe klingelt? Wenn er fragt: Was kann ich für dich tun?

Oder umgekehrt: Man ruft kein Taxi und klagt darüber, dass man alleine gelassen wird und niemand einen abholt. Rufen wir Gott an in diesen Wochen vielfältiger Sorgen und Nöte? Bitten wir ihn, dass er uns das gibt, was wir brauchen? Aber so, dass wir ihm sozusagen unsere fünf Brote und zwei Fische geben. Die Bereitschaft, das Unsrige einzubringen – und dann auf Gottes Hilfe zu vertrauen?

So gelingt Alltagshilfe. So gelingt Hilfe, wenn es buchstäblich oder im übertragenen Sinne brennt. So gelingt Frieden, wenn Jesu österlicher Friede auf die Bereitschaft stößt, friedlich mit unserer Familie, unseren Nachbarn oder unseren Mitarbeitenden umzugehen. So gelingt die Erfahrung der Nähe Gottes, wenn wir Nähe schenken mit den Mitteln, die uns zur Zeit möglich sind. Wenn wir Christi Hände sind, die schenken. Wenn wir Christi Mund sind, der Mut macht und Tröstendes, Stärkendes sagt. Wenn wir Christi Herz sind, das geduldig, liebevoll und mitfühlend ist.

Häufiger schon habe ich in Momenten, wo ich mich eigentlich persönlich hilflos oder überfordert fühlte, gespürt, dass Gott mit mir ist. Dass ich vielleicht nur wenig einbringen kann. Aber dass Gott genau damit rechnet.

In der Lesung des heutigen Tages wird von der Urgemeinde in Jerusalem berichtet. Da heißt es: „Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen. Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt.“

Das macht eine von Christus geprägte Gemeinschaft aus: Nicht auf den eigenen Vorteil bedacht sein. Nicht neidisch sein, weil es dem anderen vermeintlich oder tatsächlich besser geht. Sondern der Blick für das, was Menschen brauchen. Jeden Tag. Und wenn es, wo und wie auch immer, brennt.

Ein italienischer Autor, Promo Mazzolari, sagte einmal:
„Der Fluss beginnt mit dem ersten Tropfen Wasser, die Nacht mit dem ersten Stern, die Liebe mit dem ersten Blick.“

Ich wünsche Euch allen den Blick der Liebe, das Erkennen der Sterne in dunkler Nacht, und das Entdecken der Quelle, die Euren Durst stillt. Und werden wir selbst zum löschenden, erfrischenden, Kraft schenkenden Wasser füreinander!

Euer Pastor Christoph Bersch

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