„Christus hat keine anderen Hände als unsere Hände“ – so beginnt ein bekanntes Gebet, das schon viele Jahrhunderte alt ist.

Liebe Freunde!

„Christus hat keine anderen Hände als unsere Hände“ – so beginnt ein bekanntes Gebet, das schon viele Jahrhunderte alt ist. Ähnlich geht es mir als Pastor: ich habe, Gott sei Dank, viele helfende Hände, die mich in meinem Dienst unterstützen: und alle zusammen bilden wir die Gemeinde Jesu Christi, sein Volk, sein Leib, an dem jedes Glied in gleicher Weise wertvoll ist.

Viele tun treu ihren Dienst, oft wenig beachtet, diskret und zuverlässig: welch ein Segen! Andere engagieren sich in einem bestimmten Bereich, für eine gewisse Zeit: als Messdiener/-innen, als Katecheten/-innen, in einem Projektchor oder im Bereitschaftsdienst für „Hilfe in Oberberg“, wo wir in diesen Corona-Zeiten eine Anlaufstation in Nöten vielfältigster Art angeboten haben.

Ich möchte beispielhaft eine Gruppe nennen, die mit ihrer Hände Arbeit ehrenamtlich etwas Großartiges umgesetzt hat – obwohl es allzu viele bei uns leider nur wenig bis gar nicht beachten: es geht um unser Krippenteam!

Krippe – das ist in den meisten Kirchen die Darstellung der Geburt Jesu im Stall von Betlehem. Und es gibt absolut tolle Weihnachtskrippen! Mit viel Liebe, Sorgfalt, Arbeit und Herzblut aufgestellt. 11 Jahre lang habe ich als Pastor von Wuppertal jährlich ein bis zwei Krippentouren mit Gemeindemitgliedern nach Köln unternommen. Und wir haben uns nie wiederholt! Weil es einfach so viele sehenswerte Krippen gibt.

Viele Pfarrgemeinden fangen bereits im Advent an – Verkündigung an Maria, Besuch bei Elisabeth, Johannes der Täufer, Herbergssuche… – bis dann an Weihnachten DIE Krippe gezeigt wird: im Stall von Betlehem, oft mit Ochs und Esel, mit Hirten und Schafen – und ab Dreikönige mit den heiligen drei Königen, dem Stern, dem sie gefolgt sind – und fast immer auch mit einem Kamel, gelegentlich sogar mit Elefanten (wahrscheinlich Nachfahren der Elefanten von Hannibal…).

Das Besondere an St. Franziskus, Gummersbach, aber ist die „Krippe“ als eine – über den Weihnachtsfestkreis hinausreichende – Veranschaulichung der Evangelien und Ereignisse der Fasten- und Osterzeit. Als 1223 Franz von Assisi, unser Kirchenpatron, im italienischen Rieti-Tal die erste Krippe errichtete, da ging es ihm um genau das: Veranschaulichen! Der unsichtbare Gott wird sichtbar. Kommt als Kind in die Welt.

Schaut, was Gott an und für uns getan hat! Franziskus wollte zeigen, dass die Bibel kein Buch von Gestern, sondern von und für Heute ist. Und auch nicht nur etwas für gebildete Menschen, die ein Buch in die Hand nehmen und lesen, sondern für alle, die sehen können und dadurch viel leichter verstehen. Denn Bilder sprechen nicht nur den Verstand an, sondern besonders das Herz.

„Meine Hände“ sind also – unter anderem – die Krippenbauer von St. Franziskus in Gummersbach rund um unseren Küster. Zwischen dem 1.Fastensonntag und Pfingsten haben sie uns insgesamt 14 Krippenbilder geschenkt! Angefangen mit der Versuchung Jesu – Evangelium des 1.Fastensonntags – bis zur Christi Himmelfahrts-Szene, die aktuell zu sehen ist.

Jedes Evangelium – die vorösterlichen wie die nachösterlichen – wurde gewissenhaft und liebevoll dargestellt. Es musste um- und neugebaut werden, Figuren bekamen neue Kleider: eine ergreifende Bibelauslegung ohne Worte, in der stillen Sprache des Herzens, des inneren Berührtwerdens.

Ich hebe das nicht heraus, weil andere nicht auch tolle Dinge tun: aus persönlicher Leidenschaft, aus Freude an Gott und den Menschen. Ganz im Gegenteil: mit diesem Beispiel möchte ich alle würdigen, die etwas Besonderes tun für andere. Die einen setzen sich für Pfarrbrief und eine gute, aktuelle und attraktive Homepage ein. Andere gestalten den Maialtar oder kümmern sich um Blumenschmuck. Wieder andere bringen sich mit ihrer Stimme ein und leiden darunter, dass uns Corona im musikalischen Bereich fast total ausbremst. Vieles lässt sich noch nennen: Willkommensdienste, die Begleitung junger Menschen in Gruppenstunden, Ferienfreizeiten und gemeinsamen Aktionen, Übernahme von Verantwortung in Gremien, wie Pfarrgemeinderat, Kirchenvorstand, Ortsausschuss. Liturgische und diakonale Dienste. Oder die Gebetskultur, wo wir uns durch das Gebet anderer getragen wissen dürfen. Auch umgekehrt?

Mit diesen Gedanken möchte ich Euch einladen, diese kleinen Dienste und Unterstützungen zu sehen und wertzuschätzen. Denn oft ist es umgekehrt: wir sehen das Haar in der Suppe. Das Papierchen auf dem Bürgersteig. Den Druckfehler in den Pfarrnachrichten. Die schmutzigen Fingernägel bei einem Messdiener. Ärgern uns, weil eine bestimmte Brotsorte nicht mehr da ist, obwohl noch fünf andere zu bekommen sind. Regen uns wegen kleinster Dinge auf.

Dreht doch den Spieß einfach um! Freut Euch über die vielen Straßen, wo keine Papierchen oder Bananenschalen auf dem Bürgersteig liegen – und über die, die zum Beispiel täglich zwischen 6.15 und 6.45 Uhr den City-Parkplatz direkt an meiner Wohnung sauber machen. Oder Blümchen pflanzen in einem Kreisverkehr. Baumpatenschaften übernehmen. Kindern die Natur nahebringen. Dafür sorgen, dass eine Ferienwohnung, ein Gästezimmer, ein Tagungsraum schön eingerichtet ist. Im Nachhinein muss ich selbst zugeben, dass ich viel zu selten meinen Eltern DANKE gesagt haben, was sie in diesem Punkt geleistet haben, damit wir als Familie behaglich leben konnten. Und wie sie, als mein Bruder und ich ausgezogen waren, uns bei Besuchen immer wieder mit Kleinigkeiten beglückt und beschenkt haben: ein Lieblingsessen, ein Lieblingsnachtisch, eine Buchempfehlung oder unkomplizierte Hilfe, wo wir einen guten Ratschlag gebrauchen konnten.

Das aktuelle Bild unserer Advents-Weihnachts-Dreikönigs-Fasten-Oster-Christi-Himmelfahrts-Krippenserie zeigt den Ölberg. Jesus verabschiedet sich von seinen Jüngern. Er steigt empor zu seinem Vater. Und dabei hebt Jesus, so die Darstellung, seine Hände nach oben. Er zeigt uns, wohin er unterwegs ist: in das himmlische Reich. Die Hände sind leer: er nimmt nichts mit von dieser Welt. Genau so wenig wie wir! Aber sie sind weit geöffnet. Weil Gott unsere Hände füllen wird. Weil er unser ganzes Leben erfüllen wird! Nicht mit vergänglichen Dingen. Sondern mit dem, was wir mit keinem Geld der Welt kaufen können. Weil es reines Geschenk Gottes ist. Das wirklich bleibt. Das trägt. Das uns am Glück Gottes teilhaben lässt. Selig, die… – ihnen gehört das Himmelreich!

„Christus hat keine anderen Hände als unsere Hände“. Und jede und jeder von Euch, der seine Hände. seine Augen, seine Lippen und sein Herz für andere öffnet, anderen Freude schenkt, wird zum Bild der Freigebigkeit und Fülle Gottes.

Ihr alle seid ein Stück Himmel auf Erden! Und ich hoffe, dass alle, die das übersehen, die nur das Unvollkommene wahrnehmen und sich auf das Schlechte fixieren, zu einem Perspektivwechsel fähig werden – mit Hilfe des Heiligen Geistes Gottes, den wir gerade in diesen Tagen besonders erbitten dürfen.

Euer Pastor Christoph Bersch

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