April, April!

Liebe Gemeindemitglieder von Oberberg-Mitte! Liebe Freunde!

April, April!
Habt Ihr früher auch gerne Freunde „in den April“ geschickt? Ihnen eine Geschichte aufgetischt, die Ihr frei erfunden habt, oder wo meine Tageszeitung etwas völlig Skurilles beschrieb – um dann augenzwinkernd am nächsten Tag aufzulösen, dass diese Meldung frei erfunden war. Oder noch besser: der offensichtliche Aprilscherz gar keiner war, sondern eine ganz andere Meldung, die so geschickt daherkam, dass man sie erstmals geglaubt hatte.

Irgendwie scheint es jetzt das ganze Jahr „1.April“ zu sein, denn Erfundenes – neudeutsch: Fakenews – wird uns nicht nur an einem Tag aufgetischt. Und Vieles wird auch nicht mehr lachend richtig gestellt, sondern verbreitet sich als vermeintlich richtig in Windeseile: schaut Euch nur die oft wilden, kruden und absurden Verschwörungstheorien zur Corona-Pandemie an. Da bestätigt sich oft der Satz: Wer sagt, dass er nicht glaubt, glaubt am Ende alles Mögliche.

Heute also ist der 1.April – und man würde sich so sehr wünschen, dass einer mit einem Lachen sagt: April, April – stimmt alles gar nicht. Leider aber ist und bleibt Corona eine bittere Wahrheit. Eine akute Bedrohung. Eine tödliche Gefahr für unabsehbar viele Menschen. Weltweit und zugleich mitten unter uns. Keiner darf sie leichtfertig abtun oder anderen ein falsches Gefühl des „ist-doch-alles-halb-so-schlimm“ geben. Im Gegenteil wird dann alles doppelt und vielfach so schlimm. Und genau deshalb dürfen wir, so schwer das fällt, keine gemeinsamen Gottesdienste feiern – um der Menschen willen, die für uns Christen ja Abbilder Gottes sind. „Gerade den schwachen Gliedern erweisen wir umso größere Ehre“, betont Paulus. SIE müssen Maßstab unseres Handelns sein. Nicht die Wirtschaftslage. Nicht die ausfallenden Fernseherträge im Milliardengeschäft Fußball. Nicht mein Ich.

Der 1.April ist auch der Beginn eines neuen Quartals. Erinnert Ihr Euch noch an die Silvesternacht? An den Jahresbeginn? Wie ruhig oder ausgelassen, daheim oder bei Freunden wir auch gefeiert haben: wir haben uns alle ein frohes, gutes Jahr 2020 gewünscht, und keiner hatte auch nur die leiseste Ahnung, wie in gerade einmal drei Monaten alles anders wurde.

Was wird am 1.Juli sein, wenn wir wieder auf ein Quartal, also ein Vierteljahr zurückschauen? Keiner von uns weiß es. Die Pläne „dann können wir ja ab dem 20.April wieder…“ sind längst Makulatur. Wir erleben es täglich neu.

Abiprüfungen – ja oder nein? Und wenn ja: wie kann das überhaupt konkret gehen? Was wird wie gewertet? Kann ich meine Ausbildung beginnen? Fortsetzen?

Wann kann ich wieder arbeiten gehen? Oder umgekehrt: Wie lange halte ich den Stress und die Angst in der Pflege, im Handel, in der politischen und ethischen Verantwortung noch durch? Von der Ungewissheit geplanter Hochzeiten, Familien-, Pfarr- und Schützenfeste, Urlaube, Fronleichnamsprozessionen und Jubiläen gar nicht zu sprechen.

Ich versuche wieder, von unserem Glauben her einige Denkanstöße zu geben:

1) Der April ist im Jahr 30 der Monat gewesen, wo Jesus seinen Weg in den Tod gegangen ist. Vor uns und für uns. Mit unserem Glaubensbekenntnis gesagt: „Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden.“ Jesus hatte seinen Jüngern mehrfach versucht zu erklären, dass er diesen Leidensweg gehen müsse. Sie haben ihn nicht verstanden. Sie konnten oder wollten es sich nicht vorstellen. Waren mit anderen Dingen beschäftigt, zum Beispiel ihrer Rangordnung. Wer ist der größte von uns? Der Wichtigste? Gegenwartsgeplänkel macht blind und taub für Zukunftsfragen: das war früher schon so. Und darum waren die Jünger als Jesus wirklich gefangen genommen wurde – durch den Verrat aus ihrem eigenen Kreis! – so verstört, verwirrt, verängstigt hinter verschlossenen Türen. Sie haben die Ankündigungen Jesu nicht hören wollen, so wie wir heute die vielfachen Zeichen der Zeit nicht wahrhaben wollen.

Wie Papst Franziskus am Freitag Abend so treffend sagte: „Der Sturm deckt jene falschen und unnötigen Gewissheiten auf, auf die wir bei unseren Plänen, Projekten, Gewohnheiten und Prioritäten gebaut haben… In unserer Welt, die du noch mehr liebst als wir, sind wir mit voller Geschwindigkeit weitergerast und hatten dabei das Gefühl, stark zu sein und alles zu vermögen.“ In Anspruch genommen von den materiellen Dingen und betäubt von der Eile, so der Papst weiter, geht uns der Blick auf die Weite und Tiefe verloren – so wie es das Lied beschreibt: „Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort…“

Der April 2020 lässt uns zwangsläufig anhalten, zwingt uns, wie damals Simon von Cyrene, das gegenwärtige Kreuz gegen unseren Willen mitzutragen. Was wird daraus? Wir wissen es jetzt noch nicht. Damals übrigens wurden die Söhne des Simon von Cyrene, Alexander und Rufus, Christen!

2) Der April des Jahres 30 führt uns nich nur in die tiefsten Abgründe des Todes („hinabgestiegen in das Reich des Todes“), sondern in das Osterlicht. Aber erst nach bzw. in der Finsternis! Ostern ist der Gottesdienst, der in der Nacht gefeiert werden muss, um seine Symbol- und Strahlkraft nicht zu verlieren! Als die Jünger mit ihren Alltäglichkeiten beschäftigt waren, nahmen sie nicht wahr, dass der Weg nach Jerusalem, der so triumphal mit dem „Hosanna“ begann, ganz schnell in die Katastrophe der Kreuzigung führte. Und als die Jünger erschüttert den Tod Jesu betrauern, nahmen sie nicht wahr, dass Jesus diesen Tod schon besiegt hatte und die Katastrophe in Heil und Segen verwandelt hatte – für alle und für alle Zeiten!

Was das am heutigen 1.April beginnende Quartal alles bringen und wie es sich bis zum 1.Juli entwickeln wird, wissen wir nicht. Wird uns noch eine längere Finsternis zugemutet? Werden wir Licht am Horizont sehen? Eine frühe Morgenröte mit der Gewissheit, dass sie den Durchbruch der Sonne bringen wird?

So oder so: diese Zeit, die vor uns liegt, ist geschenkte Zeit! Ein Geschenk von Gott. Ein Geschenk für andere und für mich selbst. In der Erkenntnis dass nicht Hast und Eile, Termindruck und das gerade Anliegende das wichtigste ist, sondern der Mensch, der mir heute begegnet. Und Gott, der mir heute nahe ist und mir heute das tägliche Brot reicht.

Gott hat uns heute buchstäblich in den April geschickt. Entdecken wir in diesem Monat seinen Plan mit uns. Er lässt uns alle dabei nicht allein auch und gerade nicht in den schweren, ungewissen Zeiten.

Danke für Eure Verbundeheit in diesen Tagen!

Euer Christoph

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