Als Jugendlicher habe ich einige prägende Wallfahrten erleben und mitmachen dürfen. Eine davon

Liebe Freunde!

Als Jugendlicher habe ich einige prägende Wallfahrten erleben und mitmachen dürfen. Eine davon führte uns in jedem Jahr, am 2.Samstag im Mai, in den Altenberger Dom.

Der Dom war bis auf den letzten Platz besetzt mit Jugendlichen aus der Stadt Köln und Umgebung. Wir haben gemeinsam eine Jugendmesse gefeiert, das Altenberger Licht abgeholt, und unsere Gruppe von St. Maria in der Kupfergasse ist dann von dort zu Fuß in die Kölner Innenstadt gepilgert – einschließlich einer nächtlichen kleinen Grillfeier im „Dünnwalder Kommunalwäldchen“. Wir kamen dann morgens glücklich, aber erschöpft in St. Maria in der Kupfergasse an. Irgendwie schafften wir es dann noch, die Messe um 8.30 Uhr als Messdiener mitzufeiern (einschließlich Rippenstöße von der Seite, wenn man einschlief), und zu Hause ging es erstmal ins Bett. Meine Mutter war immer nur mäßig begeistert, wenn ich an Muttertag eher übermüdet ein kurzes „Hallo! Herzlichen Glückwunsch zu Muttertag“ dahinwarf, um schnellstmöglich ins Bett zu gehen und den ausgefallenen Schlaf der Nacht nachzuholen. Was dann auch nur drei Stunden ging: schließlich fuhr um 13.30 Uhr der Zug nach Pulheim zur Oma.

Jeder von Euch hat auch solche Erinnerungen, worüber wir im Nachhinein schmunzeln. Und interessanterweise ist mir bei einer der Altenberg-Fußwallfahrten ein Motto in Erinnerung geblieben: „SEIN Wort uns Kompass ist.“

Wie viele gute Worte und Gedanken (leider auch viele gute Witze) habe ich in meinem Leben schon gehört und wieder vergessen. Offensichtlich sorgt auch unser Gehirn, unser Erinnerungsvermögen für „leichtes Gepäck“. Schafft immer wieder Platz für neue Erfahrungen. Dennoch haben wir zum Glück auch ein Langzeitgedächtnis, das Manches aufbewahrt und uns einen Schatz von Erinnerungen ermöglicht.

Und da ist dieser kleine Satz, den wir unterwegs miteinander meditiert hatten, haften geblieben: SEIN Wort uns Kompass ist. Fast vierzig Jahre ist das jetzt her, aber dieser kleine Satz hat sich durch mein Leben gezogen. Und sich immer wieder bestätigt. Ich habe oft Kraft geschöpft aus Worten der Heiligen Schrift. Sie hat mir gezeigt, was für mich und andere gut ist. Hat Mut gemacht. Getröstet. Mir einen neuen Durchblick verschafft. Mich immun gemacht gegen Fakenews, Propaganda und leeres Geschwätz. Die Bibel war mein erstes Kursbuch (neben dem jährlichen „Kursbuch der Deutschen Bundesbahn, das ich als Eisenbahnfan natürlich auch, aber in ganz anderer Weise, studiert habe).

Ein Kompass zeigt die Richtung an. Legt mich aber nicht fest. Zwingt mich nicht unbedingt, genau DIESEN Weg zu gehen. Er gibt mir auch – anders als ein Navi – nicht an, wann genau ich mein Ziel erreiche. Lässt mich nicht stolz sein (typisch Mann!), wenn ich die Zeit um fünf Minuten unterbiete. Korrigiert mich nicht, wenn ich eine andere Strecke nehmen will („Bitte wenden Sie!“) Und macht mich nicht wütend, wenn ich in einen Stau gerate und die angestrebte Zeit ein Wunschtraum bleibt.

Gottes Wort ist nicht wie das „Kursbuch der Deutschen Bundesbahn“. Denn es gibt keine genauen Zeiten vor. Keine exakte Streckenführung. Wo ich halten muss und ich durchfahren werde. Gottes Wort lässt viel mehr Freiraum. Es zeigt uns wohl, wenn wir in einer völlig falschen Richtung unterwegs sind. Wo wir umkehren müssen, um uns nicht total zu verfahren im Leben. „Dein Wort ist meinem Fuß eine Leuchte, ein Licht für meine Pfade“ (Psalm 119,105).

Ein Kompass treibt uns nicht. Setzt uns nicht unter Druck. Ist kein Masterplan. Der Kompass steht für eine Grundausrichtung. Die mich zum Ziel kommen lässt. Und zwar in der Weise, wie ich es möchte. Weil Gott immer sehr viel Geduld mit uns Menschen hatte und hat. Letztlich ist er selbst unser Ziel, sein himmlisches Reich!

Das heißt nicht, dass der Weg dorthin immer leicht ist. Jahrhundertelang war eine Reise nach „Bella Italia“ mühsam und gefährlich. Die Alpen mussten überquert werden. Es gab Räuber. Felsstürze. Überschwemmungen. Lawinen. Heute führen gut ausgebaute Pass-Straßen dorthin, gibt es Tunnel, ist Vieles leichter geworden.

Wie wir aber gerade erleben, gibt es auch jetzt noch das Unvorhergesehene. Ungewissheit. Neue Gefahren. Sorgen um den weiteren Weg. Was im Lied „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ über die Kirche gesagt ist, können wir auch über unser eigenes Leben sagen: „Erreicht es wohl das große Ziel? Wird es nicht untergehen?“

Eine Kompassnadel, wenn sie nicht durch starke Magnetfelder manipuliert wird, zeigt immer die richtige Richtung. Manipulationen gibt es viele. Menschen, die uns auf einen bestimmten Kurs einschwören wollen. Die uns von der wahren Ausrichtung der göttlichen Kompassnadel abbringen möchten.

Gottes Wort – der Kompass meines Lebens. Mein Primizwort steht in dieser Linie: „Es ist der Herr.“ Es wird uns am nächsten Sonntag im Evangelium begegnen. Auf IHN kann ich mich verlassen. Denn er ist kein selbsternannter totalitärer Führer, der uns ins Unglück stürzt. Keiner, der uns ein X für ein U vormacht. Sondern einer, der für uns ans Kreuz gegangen ist. Mit uns durch die Gefahren des Lebens geht. Uns vorangegangen ist zum himmlischen Vater.

Gerne würde ich Euch diesen Kompass schenken. Aber Ihr habt ihn schon längst! Vielleicht wenig beachtet. „Ich finde mich auch so zurecht.“ Doch in Zeiten wie diesen, wo wir durch Corona verunsichert sind und noch lange „auf Sicht“ fahren müssen, seid Ihr eingeladen, auf den Kompass von Gottes Wort zu achten. Weil er uns gezeigt hat: Hinter jeder Nacht wartet ein neuer Tag. Wartet ER SELBST.

So lasst Euch gut durch diese neue Woche begleiten. Und sucht Euch gute Weggefährten – sei es über Telefon oder die Sozialen Netzwerke.

Euer Pastor Christoph Bersch

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