1984, nach meinem Abitur, war ich das erste Mal in Rom.

Liebe Gemeinden von Oberberg Mitte!
Liebe Freunde!

1984, nach meinem Abitur, war ich das erste Mal in Rom. Ende Juli, es war krachend heiß. Jeden zieht es ans Meer oder in den Schatten. Nicht so die vielen Tausend Menschen, die auf den Petersplatz strömen, um den Papst zu hören. Damals Johannes Paul II. Es war meine erste und lange nicht die letzte Generalaudienz, die ich auf dem Petersplatz miterlebt habe, auch später mit Benedikt XVI. und Franziskus. Und immer war er voller Menschen.

Bis gestern Abend. Franziskus lud ein – doch er blieb, bis auf seinen Sekretär im Hintergrund, ganz alleine. Welch ein symbolträchtiges und ergreifendes Bild. Dort, wo sonst täglich Tausende zusammenkommen – städtereisende Touristen, smartphonestarrende Schülergruppen, kunstführerlesende Bildungshungrige, fotosknipsende Pilger aus aller Welt, zwischendurch der ein oder andere römische Prälat – war allein der Papst. Der Nachfolger jenes Apostels Petrus, über dessen Grab „vor den Mauern“ damals die erste Petruskirche und später dann der heutige Petersdom errichtet wurde.

Keine Begeisterung, kein Jubel, keine Atmosphäre der Zusammengehörigkeit, die Audienzen, Gottesdienste und Begegnungen dort prägen. Brennpunktmäßig, wie es alle erfahren: „Ohrenbetäubende Stille“ (so Papst Franziskus) auch in Konzerthallen und Stadien, in Kathedralen und Moscheen, Parks und Spielplätzen. Alles ist anders, nichts entspricht dem normalen Alltag, und wir alle, weltweit, sitzen in einem Boot, teilen das gleiche Schicksal. Und selbst dieses Bild passt nicht, weil auf einem Schiff Menschen eng beieinander sind, wenn sie zusammen essen, sich sonnen, über das Deck flanieren und die vorüberziehende Landschaft bewundern.

Papst Franziskus ist auch in der einzigartigen Krise, die keinen Menschen unberührt lässt, ein toller Kapitän für uns Christen. Den Auftrag, den Jesus dem Petrus gegeben hat: „Du aber stärke deine Schwestern und Brüder!“ erfüllt er in diesen Tagen auf bewegende Weise. Hört Euch seine Worte an (ich habe die Live-Sendung von gestern Abend, falls Ihr sie da nicht schauen konntet, heute in aller Frühe von Domradio her gepostet), nehmt die Bilder auf, lasst sie wirken – und entdeckt vor allem den Trost und die Hoffnung, die darin enthalten sind.

Bei unserer ersten damals vierzehntägigen Romreise haben wir so viele Kirchen besucht, das ich am Ende den Überblick verloren hatte. Doch das Pestkreuz in San Marcello al Corso und das Bild „Maris, salus populi Romani“ in der Kirche Santa Maria Maggiore habe ich damals als 18-jähriger schon gesehen. Und jetzt sind es auf dem Petersplatz Orte des Gebetes für alle Leidenden und Infizierten der ganzen Welt geworden.

Habt Ihr auch solche Orte, die Euch Halt geben? In Eurer Wohnung? Oder eine Kirche, eine Kapelle, wo Ihr betet oder eine Kerze entzündet?

Habt Ihr Bilder, die Euch berühren, die Euch in das Gespräch mit Gott führen? Bei mir ist es zum Beispiel mein Primizbild aus der Kirche San Clemente in Rom, das ich erstmals – wie könnte es anders sein – bei jener Reise 1984 gesehen und mich darin gleichsam verguckt habe:

Der Hl. Christopherus entdeckt Jesus. Ausgerechnet da, wo er unterzugehen droht. Die Last ist zu groß. „Mir ist, als trage ich die ganze Welt auf meinen Schultern.“ So kommt auch uns die Belastung unerträglich vor: jene, die wir jetzt schon tragen, und jene, die uns noch bevorsteht. In der Tat: Christopherus trägt die Welt auf seinen Schultern – aber sie ist in der Hand des Kindes, das er über den Fluss trägt. Und da erkennt er: Dieses Kind ist stärker als er selbst. Es trägt die Welt mit all ihren Lasten. Es ist der Herr!

Für mich ist es DIE Weltanschauung: Sie zu deuten als von Jesus Christus getragen – und dann von uns mitgetragen. So, wie wir es gestern Abend bei Papst Franziskus stellvertretend gesehen haben. Wie wir es aber auch bei all den „Helden des Alltags“ erfahren dürfen, die eine große Last bewältigen und damit genauso zu Trägern von Trost und Hoffnung werden.

Mit diesem Dank für alle, die uns Kraft geben in diesen harten Zeiten, vom Papst in Rom bis hin zu all den Engeln unseres Alltags, grüßt Euch und all Eure Lieben

Euer Pastor Christoph Bersch

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