Der Impuls – von Kaplan Johannes Kutter

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Sonntag beginnt die sogenannte Heilige Woche, in der wir die vielleicht wichtigste Woche unserer gesamten Heilsgeschichte begehen und vergegenwärtigen: Wir hören vom Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag, werden an Gründonnerstag Zeugen des Letzten Abendmahles und der Einsetzung der Eucharistie, und erleben schließlich das Geheimnis von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu Christi zwischen Karfreitag und Ostersonntag.

In diesem Jahr werden aber vermutlich sehr viele von uns – und ich schließe mich da ausdrücklich mit ein – etwas vermissen, weil wir aufgrund der aktuellen Situation diese großen Ereignisse, diese wichtigen und schönen gemeinsamen Gottesdienste nicht in vertrauter Form zusammen feiern können. Gerade an den emotionalsten Gottesdiensten des gesamten Kirchenjahres nicht als Teil einer großen Gemeinde in unseren Kirchen teilnehmen zu können, scheint auch mir jetzt, wo ich diesen Text einige Tage vor der Heiligen Woche schreibe, immer noch ziemlich unwirklich.

Ja, eigentlich gehört es zur größten Festwoche unseres Glaubens dazu, dass wir uns versammeln, dass wir uns –wie wir es im Evangelium des Palmsonntags von den Bewohnern Jerusalems auch erfahren – jubelnd auf die Straßen stellen und unserem König entgegengehen. Aber dieses Jahr ist uns das wegen der hohen Ansteckungsgefahr der Coronaviren und aus Verantwortungsgefühl und Rücksicht auf unsere Mitmenschen und ganz besonders die Ärmsten und Schwächsten nicht möglich.

Fällt die Heilige Woche damit aus? Gott sei Dank nicht. Denn dieses Jahr wird die Frohe Botschaft hoffentlich in besonderer Weise in unseren Häusern und Wohnungen, in unseren Familien und Wohngemeinschaften ankommen. Im Lied „Tochter Zion“, das wir eigentlich vor allem in der Adventszeit singen, das vom Text her aber auch sehr gut auf die Feier des Palmsonntags passt, heißt es: „Sieh, dein König kommt zu dir!“ Jesus Christus will zu uns kommen, auch dieses Jahr, in unsere Häuser, vor allem aber in unsere Herzen. Und alle großen Festtage in der kommenden Woche können als einzelne Aspekte dieses großen Glaubensgeheimnisses betrachtet werden: Jesus Christus will bei uns sein, er will uns nahe sein. Und wenn es uns dieses Jahr nicht möglich ist, unsere Straßen und unsere Kirchen bei gemeinsamen Gottesdiensten feierlich zu schmücken, so dürfen wir daheim doch unsere Herzen schmücken und dem Herrn einen Weg in unser Herz bereiten.

Dass das gelingen kann, hat zum einen mit unserer persönlichen Bereitschaft zu tun, uns auch geistlich auf diese außergewöhnliche Situation einzulassen, zum anderen aber auch mit konkreten Formen und Gestaltungsmöglichkeiten. Um die Feier der Heiligen Tage Gründonnerstag, Karfreitag, Osternacht und Ostermontag zu erleichtern und zu unterstützen, haben das Katholische Kreisdekanat Oberberg und der Evangelische Kirchenkreis an der Agger in ökumenischem Miteinander eine Broschüre erstellt, die ab diesem Wochenende in unseren Kirchen zum Mitnehmen ausliegt und die im Laufe der Karwoche auch in allen Haushalten unseres Sendungsraums verteilt werden wird. Hier finden sie Texte, Gebete und Anregungen für die persönliche Feier der Kar- und Ostergottesdienste. Außerdem laden wir Sie herzlich zur Mitfeier der Gottesdienste über Fernseher und / oder Internet (Hinweise zu den im Internet übertragenen Gottesdiensten aus unserem Sendungsraum finden Sie unten) ein, wo wir räumlich getrennt, aber im Gebet verbunden die Heiligen Tage zusammen feiern können.

Im Namen des gesamten Pastoralteams wünsche ich Ihnen Gesundheit und Kraft in dieser schweren Zeit, und gesegnete Kar- und Ostertage!

Ihr Kaplan Johannes Kutter

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