von Pastor Christoph Bersch

Liebe Schwestern und Brüder!

Ich vermisse Euch! Euch, die Ihr an Sonntagen mit den Gottesdienst feiert. Ich sehe Euch, jung oder in etwas reiferem Alter, vor Augen. Wo Ihr sitzt oder auch in der letzten Reihe steht Und ich höre die Stimmen, mit denen Ihr singt. Ich vermisse Euch Messdiener, die Ihr uns Priestern am Altar eine so große Hilfe seid, und für die Gemeinden eine große Freude. Ich vermisse Euch Kinder. Euch, die ganz Kleinen, die Ihr manchmal erzählt, manchmal  weint, oder in unseren Kirchen spielt. Und Euch Kommunionkinder. „Ihr seid Gottes Melodie“, so können wir es in all unseren Kirchen lesen. Doch im Moment ist alles „auf leise“ gestellt. Und dabei wäre doch schon ganz bald Eure 1.Heilige Kommunion. Der Tag kommt – das verspreche ich Euch! -, aber zunächst müssen alle in diesen Wochen warten. Weil eine große Gefahr lauert, unsichtbar und doch mit schrecklichen Folgen, wenn wir sie nicht ernst nehmen. Und das ist schwer!

„Können wir nicht doch wenigstens im kleinen Kreis die Messe feiern?“ „Können wir nicht doch irgendwie die Heilige Kommunion empfangen?“ Solche Sätze hören wir immer wieder. Sie sind Zeichen, dass die Gemeinschaft (Communio) mit Gott in der Gemeinde vermisst wird. Und doch: die Fastenzeit verlängert sich in diesem Jahr 2020 über die Ostertage hinaus. Der Verzicht auf das gemeinsame Beten. Auf das Mitsingen der schönen Lieder, die gerade die Osterzeit prägen. Der Verzicht auf das eucharistische Mahl, wo Jesus selbst doch zu seinen Freunden sagt: „Mit großer Sehnsucht habe ich mich danach gesehnt, dieses Mahl mit euch zu feiern.“

Verzicht, das wissen wir, ist kein Selbstzweck. Er dient einer größeren Sache. Dem Leben! Konkret dem Stop einer Pandemie, die schon zehntausende Opfer weltweit gefordert hat. Ob im Petersdom in Rom, im Kölner Dom oder in den Kirchen von Oberberg Mitte und Engelskirchen: das Nicht-Zusammenkommen dieser Wochen ist gelebte Nächstenliebe! Vor allem, wenn wir die (erzwungenermaßen) geschenkte Zeit gut investieren. In die Vertiefung der Beziehung zur eigenen Familie. In der konkreten Nähe und Ermutigung angesichts der vielen direkten und indirekten (Quarantäne, Isolation, Teilen von Sorgen) Folgen der Corona-Pandemie. In die Beziehung zu Gott.

„Ich vermisse Dich, mein Schatz.“ – „Ich vermisse Dich auch, Omi.“ Tausendfach erklingen in diesen Tagen solche und ähnliche Worte am Telefon. Sie zeigen bei aller körperlichen Distanz die Verbundenheit des Herzens. Und sie sind eine Form gesunder Sehnsucht. Vielleicht tut es uns, ohne irgend etwas schön zu reden, auch gut, diese Sehnsucht neu zu entdecken, das scheinbar so Selbstverständliche als Geschenk zu erfahren, weil alles gar nicht so selbstverständlich ist.

Ich vermisse Dich! Für mich ist dieser Satz der theologische Kern des Karsamstags. Ein Tag der Leere. Jesus ist tot, begraben, einfach nicht mehr da. Und die Jünger vermissen ihn schmerzlichst. Sie können es gar nicht fassen. ER war es doch, dem sie nachgefolgt waren. Für den sie alles verlassen hatten. Zu dem Petrus sagte: Du hast Worte ewigen Lebens. Und jetzt?

Es ist nicht beim Karsamstag geblieben. Der Kern des Osterglaubens heißt: Jesus lebt! Er ist auferstanden. Er hat gezeigt: Unsere Sehnsucht nach Leben und Liebe läuft nicht ins Leere. Und dass sich alles Warten, Sehnen und Hoffen lohnt. Denn er hat uns versprochen, auch in Zeiten von Angst und Ungewissheit bei uns zu sein. Und Jesus steht zu seinem Wort. Er ist ja, wie wir es gerade an Karfreitag betrachtet haben, ein Mit-Leidender. Ecce homo – hat Pilatus nach der Geißelung und Dornenkrönung gesagt. Seht den Menschen! Seht auf den, der uns in allen Bedrohungen nahe ist. Seht auf den, dem Leid und Schmerz nicht fremd sind. Und seht auf den, der uns nach der Auferstehung seine Wunden gezeigt hat: „Ich bin es!“

Ich vermisse Euch! Und ich vertraue darauf, Euch alle wiederzusehen. Und bis dahin wünsche ich uns gemeinsam, dass wir Zeugen dieser großen Hoffnung sind: Dass nicht die Heimtücke eines Virus, nicht die Bosheit von Menschen, sondern Gottes Liebe am Ende siegt!

Gesegnete Ostertage wünsche ich Euch, auch im Namen des ganzen Pastoralteams!

Euer Pastor Christoph Bersch

 

 

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